Der Gleason-Score ist seit gut 40 Jahren einer der leistungsfähigsten prognostischen Indikatoren
beim Prostatakarzinom. Andererseits unterscheidet sich die gegenwärtige Anwendung beträchtlich
von der ursprünglichen Klassifizierung. Verschiedentlich werden Scores unter der Prämisse zusammengefasst,
dass mit ihnen die gleiche Prognose verbunden ist. Hierzu gehören die häufig bevorzugte
Risikostratifizierung in drei Gruppen (6 vs. 7 vs. 8-10) sowie die in vier Gruppen mit Aufspaltung
von Grad 7 (6 vs. 3+4 vs. 4+3 vs. 8-10) oder der Abtrennung von Grad 8 (6 vs. 7 vs. 8 vs 9-10).
Zur Eliminierung der dem Gleason-System anhaftenden Ungereimtheiten, wurde anhand von Daten des
John Hopkins Hospitals (Baltimore, MD, USA) ein neues Gruppensystem mit fünf Graden auf der Basis
eines überarbeiteten Gleason-Scores vorgeschlagen [1]: Grad-Gruppe 1 (Gleason-Score 6), Grad-Gruppe 2
(Gleason-Score 3+4=7), Grad-Gruppe 3 (Gleason-Score 4+3=7), Grad-Gruppe 4 (Gleason-Score 8)
und Grad-Gruppe 5 (Gleason-Score 9-10). Auf der Konsens-Konferenz der Internationalen Gesellschaft
für Urologische Pathologie zum Gleason-Grading des Prostatakarzinoms 2014 bestand eine breite
Übereinkunft hinsichtlich der Übernahme des neuen Grading-Systems [2].
Ferner wurde das Grading-System anhand multiinstitutioneller und multimodaler Therapiedaten dahingehend
überprüft, ob damit die höchstsignifikanten prognostischen Unterschiede mit einer kleineren Anzahl
Grade genau beschrieben werden können [3].
Die Überprüfungskohorte bestand aus 20.845 aufeinander folgenden Patienten mit klinisch lokalisiertem
Prostatakrebs, die sich zwischen 2005 und 2014 an akademischen Zentren in den USA und Schweden einer
radikalen Prostatektomie unterzogen hatten. Hinzu kamen 5.501 Patienten, die an zwei der amerikanischen
Zentren mit Strahlentherapie (3.361 mit Brachytherapie und 2.140 mit externer Strahlentherapie)
behandelt worden sind.
Bei den Vergleichen Gleason 3+4 versus Gleason 4+3 und Gleason 8 versus Gleason 9 zeigten
sich erhebliche Unterschiede. In der Kohorte mit radikaler Prostatektomie wurden für
Gleason 4+3 durchweg dreifach höhere Hazard Ratios (HR) ermittelt als für Gleason 3+4.
Die HR für Gleason 9-10 waren durchschnittlich um den Faktor 2 höher als für Gleason 8.
Im Kollektiv der radikal prostatektomierten Männer wurde in den Biopsie- und Prostatektomie-Proben
mit dem fünfgradigen Gruppensystem eine ausgezeichnete prognostische Unterscheidung erreicht.
Die 5-Jahresraten der biochemisches Rezidiv (BCR)-Freiheit für die Gleason-Scores 6, 3+4, 4+3, 8
und 9-10 betrugen in den Prostatektomie-Proben 96%, 88%, 63%, 48% bzw. 26% (Abb.).
Die Unterschiede zwischen Gleason 3+4 und Gleason 4+3 waren in der Strahlentherapie-Kohorte
allerdings geringer ausgeprägt. Das ist auf die vermehrte adjuvante oder neoadjuvante
Hormontherapien bei Hochrisiko-Patienten zurückzuführen. Diese Abschwächung wurde bei
den nur strahlentherapierten Männern nicht festgestellt.
Eine der bedeutsamsten Revisionen, die die Experten auf der Konsensus-Konferenz 2014 vorgenommen haben,
betrifft die restriktivere Definition von Gleason-Score 6 [2]. Danach soll kribriformen Drüsen
ungeachtet ihrer Morphologie das Gleason-Muster 4 zugewiesen werden. Als wesentliche Folge
dieser Verschiebung resultiert eine günstigere Prognose für Patienten mit einem Gleason-Score 6-Tumor.
In der aktuellen Studie hatten Patienten mit Gleason-Score 6-Tumoren eine 5-Jahres-Heilungsrate
von 96% – auch in Fällen mit extraprostatischer Ausdehnung und positiven Schnitträndern.
Dem neuen Tumor-Grading-System für Prostatakrebs werden offensichtliche Vorzüge beigemessen:
(1) Die Stratifizierung nach dem Tumorgrad liefert exakter differenzierte
Risikobewertungen als das aktuelle Gleason-System.
(2) Die Fülle der originären Gleason-Scores, die sich aus den Kombinationen
verschiedener Gleason-Muster ergibt, wird durch das fünfgradige Gruppensystem vereinfacht.
(3) Anstelle des in der Praxis niedrigsten Gleason-Scores 6 tritt der Grad 1.
Darin wird die Beseitigung eines psychologischen Hindernisses gesehen, die potenziell zur Verringerung
der Überbehandlung indolenter Prostatakarzinome beitragen kann.
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[1] Pierorazio PM, Walsh PC, Partin AW, Epstein JI, 2013.
Prognostic Gleason grade grouping: data based on the modified Gleason scoring system. BJU Int 111:753-760.
[2] Epstein JI, Egevad L, Amin MB, et al. 2016.
The 2014 International Society of Urological Pathology (ISUP) Consensus Conference on Gleason
Grading of Prostatic Carcinoma: Definition of Grading Patterns and Proposal for a New Grading System.
Am J Surg Pathol 40:244-252.
[3] Epstein JI, Zelefsky MJ, Sjoberg DD, et al. 2016.
A Contemporary prostate cancer grading system:a validated alternative to the Gleason score. Eur Urol 69:428-435.
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