Metastasierter Prostatakrebs
Sicherheit der radikalen Prostatektomie bei Männern mit Fernmetastasen bei Diagnose


  Gegenwärtig laufen Untersuchungen, in denen die Effektivität der radikalen Prostatektomie in der Behandlung von metastasiertem Prostatakrebs geprüft wird.

  Angesichts des Mangels an Daten zur Sicherheit radikaler Eingriffe an der Prostata in diesem Patientenkreis wurden die perioperativen Ergebnisse sowie die nach radikaler Prostatektomie bei lokal resezierbarem, fernmetastasiertem Prostatakrebs frühzeitig auftretenden Komplikationen untersucht (Sooriakumaran P, et al. 2016):

  Die retrospektive Fallserie umfasste 106 Patienten aus sechs Zentren in den USA, Deutschland, Italien und Schweden mit im Zeitraum von 2007 bis 2014 neu diagnostiziertem metastasiertem (M1) Prostatakrebs. Die Behandlung war mit radikaler Prostatektomie und ausgedehnter pelviner Lymphadenektomie erfolgt.

  In der Studienkohorte betrug der mediane PSA-Spiegel 22,5 ng/ml (Interquartilenbereich 8,1–55,1). Skelettmetastasen lagen in 70 Fällen vor. Von den 106 Männern waren 97 offen und neun mit dem Roboter operiert worden.

Aus allen sechs Zentren wurden Komplikationen bis 90 Tage nach der Operation gemeldet. Allerdings hatten die meisten Patienten (79,2% keine Komplikationen. Bei 54,3% der Patienten wurden positive Schnittränder registriert. Eine Reoperation war in zwei Fällen erforderlich (ein pelvines Hämatom, eine infizierte Lymphozele in ungünstiger Lokalisation für perkutane Drainage). Zwei Männer wurden nach der Entlassung aus dem Krankenhaus erneut zur perkutanen Drainage infizierter Lymphozelen eingewiesen, zwei weitere zur intravenösen Rehydrierung, davon einer auch aufgrund der Exazerbation einer Divertikulitis. Bluttransfusionen wurden in 15 Fällen benötigt. Bei 22 Männern traten Komplikationen auf: 9 Lymphozelen, 7 Patienten mit Anastomoseninsuffizienz, 5 Wundinfektionen.

Während eines medianen Follow-up von 22,8 Monaten verstarben 12 Männer am Prostatakrebs, davon nur einer innerhalb eines Jahres nach der radikalen Prostatektomie.

   Bei sorgfältig ausgewählten Patienten mit lokal resezierbarem, fernmetastasiertem Prostatakrebs erwies sich die radikale Prostatektomie in der Hand eines erfahrenen Chirurgen als sicher. Das Spektrum und die Rate der mit der Operation verbundenen Komplikationen war nicht höher als bei radikalen Prostatektomien nach Standardindikation.

Sooriakumaran P, Karnes J, Stief C, et al. 2016. A multi-institutional analysis of perioperative outcomes in 106 men who underwent radical prostatectomy for distant metastatic prostate cancer at presentation. Eur Urol 69:788-794.

Mai  2016

Drucken Referent: jfs