Predict Prostate Tool

Klinische Beeinflussung der Männer mit neu diagnostiziertem nicht metastasiertem Prostatakrebs


  Predict Prostate ist ein online frei zugängliches klinisches Prognosehilfsmittel für Männer mit der Erstdiagnose eines nicht metastasierten Prostatakarzinoms (PCa). Die Präzision des Tools war in Validierungsstudien mehrfach nachgewiesen worden, aber bei Patienten existierte bislang keine Bewertung der klinische Bedeutung. Der Einfluss des Predict Prostate Tools auf die Entscheidungsfindung und das Krankheitsempfinden der Patienten sollte in einer randomisierten kontrollierten Multicenterstudie beurteilt werden.

  I n die Studie wurden 145 Patienten mit neu diagnostiziertem PCa (medianes Alter 67 Jahre and PSA 6,8 ng/ml) aufgenommen, die vor der Entscheidung für Active Surveillance (AS) oder radikale Behandlung standen. Die Teilnehmer wurden entweder in einen Arm mit Behandlungsstadard (SOC)-Information oder in einen Arm mit SOC und eine strukturierte Vorstellung des Predict Prostate Tools (PPT) randomisiert. Die Patienten füllten validierte Fragebögen aus – namentlich die Decisional Conflict Scale (DCS).

 

Patientenxcharakteristika
Von den 145 Teilnehmern wurden 75 in den PPT-Arm und 70 in den SOC-Arm randomisiert. Distribution Die Patientencharakteristika waren ähnlich verteilt. Das mediane Alter betrug 67 Jahre und das PSA 6,8 ng/ml. Fast alle Patienten wurden nach einer präbioptischen MRT diagnostiziert – mehrheitlich sowohl mit einer zielgerichteten als auch einer systematischen Prostatabiopsie.

Entscheidungsfindungspräferenzen
Die meisten Patienten wünschten sich die Entscheidungsfindung als gemeinschaftlichen Prozess. Dabei bevorzugen 56% „Behandlungentscheidungen mit ihrem Arzt zu treffen” und 37% hatten es lieber, „sich nach Anhörung der Meinung ihres Arztes zu entscheiden”. An PCa zu sterben wurde von 83% der Männer entweder als ein „bedeutsamer” oder „sehr bedeutsamer” Faktor bei der Entscheidungsfindung angegeben. Ebenfalls hoch wurden Harnprobleme (76%) und Darmprobleme (77%) eingestuft. Dagegen waren wenigeren Patienten Sexualstörungen (49%) oder die Belastung durch die Behandlung (56%) wichtig.

PPT-Einfluss der Sichtweise auf die Überlebenswahrscheinlichkeit
Die Patienten mit PPT-Einblick stellten sich die PCa-spezifische und die nicht-PCa-spezifische 15-Jahresmortalität (PCSM bzw. NPCM) bei nichtoperativer Vorgehensweise wie auch den Überlebensbenefit bei radikaler Behandlung die Patienten mit PPT-Einblick alle beträchtlich niedriger aber eher korrekt vor als die Männer im SOC-Arm. Das traf am eklatantesten auf die PCSM zu: Eine Sterblichkeit innerhalb von 15 Jahren erwarteten 43% der Männer im SOC-Arm und 20% der Männer im PPT-Arm (p <0,001). Obwohl bei den Patienten der PPT-Gruppe die Vorstellung von der PCSM und vom Überlebensbenefit durch die Therapie geringer war, blieben diese deutlich höher als die Predict-Prostate-Einschätzung. Dagegen kamen die Vorstellungen der Patienten zur NPCM den Predict-Prostate-Einschätzungen sehr nahe. Die Männer im PPT-Arm gaben auch an, dass die Schätzungen für Mortalität – insbesondere für PCSM – von ihren Erwartungen abwichen, Bei 57% der Männer war die Predict-Einschätzung niedriger als sie erwarteten – bei 7% lag sie darüber.

Einfluss des PPT auf die Entscheidungssicherheit
Als mittlerer gemischter Entscheidungskonflikt-Score der SOC- und der PPT-Gruppe wurden 21,7 bzw. 16,1 ermittelt (p = 0,03). Diese Überlegenheit des PPT-Arms wurde über nahezu alle DCS-Subskalen hinweg registriert. Der Anteil Männer mit einem DCS-Score unter 25 betrug 73% in der PPT-Gruppe und 55% in der SOC-Gruppe.

Einfluss des PPT auf Behandlungsentscheidungen
Etwa einer von drei Männern (36%) gab an, dass ihn das Predict-Modell davon abgebracht hätte, sich für die radikale Behandlung zu entscheiden. Sich nicht umentschieden zu haben, glaubten 37% der Männer, und nur 15% meinten, dass Predict sie eher zur Wahl einer radikalen Behandlung veranlasst hatte. Alles im allem gab es keine Unterschiede bezüglich der angegebenen Behandlungspräferenzen oder endgültigen Behandlungentscheidungen zwischen beiden Gruppen. Von den Männern in der SOC-Gruppe wählten 61% zunächt die AS. In der PPT-Gruppe waren es 59%. Nach Nierdigrisiko- und Hochrisiko-PCa substratifiziert wurden unabhängig von der Randomisierungsgruppe die AS bzw. die radikale Behandlung gewählt. In the PPT-Gruppe entschieden sich zwei von 24 Männern mit Niedrigrisiko-PCa für die Operation. Dagegen war es keiner von 25 Männern in der SOC-Gruppe. Von den Männern mit Intermediärrisiko-Prostatakarzinom optierten in der SOC-Gruppe 9/25 Patienten für AS versus 12/27 in der PPT-Gruppe. Von der Gesamtkohorte Männer mit ungünstigem, intermediärem und hohem Risiko optierten neun von 20 im SOC-Arm und zehn von 24 im PPT-Arm für AS.


❏ Das Prognosehilfsmittel Predict Prostate hilft, Entscheidungskonflikte zu vermindern, und verändert die Sichtweise auf die Prognose ohne die Besorgnis zu vertärken, und gilt insofern bei den meisten PCa-Patienten populär.

❏ Es wurde kein Einfluss auf die letzendliche Behandlungsentscheidung ermittelt, der eine weitere Ergründung in größeren Studien erfortderte.

❏ Neben der vorbestehenden strengen Validierung des Modells kann die aktuelle Abeit dazu beitragen, medizinisches Fachpersonal wie auch Patienten zu animieren, durch Anwendung des Modells, Informationen für einen nicht einfachen Entscheidungsfindungsprozess beizutragen.


Thurtle D, Jenkins V, Freeman A, et al. 2921. Clinical impact of the predict prostate risk communication tool in men newly diagnosed with nonmetastatic prostate cancer: A multicentre randomised controlled trial. Eur Urol 80:661–669.

Januar  2022

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