Prostatakrebs
Inwieweit können Männer im Alter von 50 bis 54 Jahren vom PSA-Screening profitieren?


  Empfehlungen der European Association of Urology (EAU) sehen für Männer im Alter von 40 bis 45 Jahren die Bestimmung eines Baseline-PSA-Werts vor. Im Gegensatz dazu empfiehlt die American Urological Association den meisten Männern, im Alter von 55 Jahren damit zu beginnen.

  In diesem Zusammenhang wurden in der aktuellen Studie zwei Hypothesen überprüft: Zum einen sollte der Beginn des PSA-Screenings mit 50 Jahren zu einer stärkeren Verringerung des relativen Risikos führen als der Einstieg mit 55 bis 69 Jahren wie in der European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC), da der Krebs zumindest bei einigen Männern nach dem 50. Lebensjahr aus dem kurablen in das inkurable Stadium übergehen würde. Zweitens sollte die Reduktion des absoluten Risikos geringer sein, da das Risiko für letalen Prostatakrebs bei jüngeren Männern und ähnlichem Follow-up geringer ist als bei älteren Männern (Carlsson et al. 2017):

  In der bevölkerungsbasierten Kohortenstudie wurden 3.479 Männer der Göteborger Studie zum Prostatakrebs-Screening (1995 mit der Einladung zum PSA-Test ab dem 50. Lebensjahr gestartet), die sich randomisiert einem zweijährlichen PSA-Screening unterzogen hatten, mit einer Kohorte des bevölkerungsbasierten Malmö Preventive Project aus der Prä-PSA-Ära (1982–1985) verglichen. Von letzteren standen kryokonservierte Blutproben zur Verfügung, anhand derer der PSA-Spiegel bei der Diagnose nachvollzogen werden konnte.


     Abb.: (A) Kumulative Inzidenz der Prostatakrebsdiagnose,
     (B) Kumulative Inzidenz für Prostatakrebs-Metastasen.

  Im Verlauf eines 17-jährigen Follow-up war bei 463 von 3.479 Männern der Screening-Gruppe (15%) Prostatakrebs diagnostiziert worden, während es im gleichen Zeitraum in der Gruppe aus Malmö 225 von 4.060 Männern (6,3%) waren (Abb. A). Die Diagnosen in der Göteborger Kohorte betrafen deutlich häufiger nicht tastbare Stadien von T1c-Tumoren, während die Tumoren in der Malmö-Kohorte ohne Screening vermehrt tastbar gewesen waren und bei der Diagnosestellung öfter bereits Fernmetastasen vorgelegen hatten. Die PSA-Werte zum Zeitpunkt der Diagnose waren in der Malmö-Kohorte deutlich höher als in der Göteborg-Kohorte (12,8 ng/ml vs. 4,4 ng/ml).

Die kumulativen Inzidenzen der Metastasierung (Abb. B) und der Prostatakrebs-spezifischen Mortalität lagen in der Malmö-Kohorte ohne PSA-Screening signifikant höher als in der Göteborger Screening-Kohorte. Die Inzidenzratenverhältnisse für Diagnose, Metastasen und Tod durch Prostatakrebs waren 2,56, 0,43 bzw. 0,29.

Bezüglich der Gesamtmortalität bestand zwischen beiden Kohorten erwartungsgemäß kein signifikanter Unterschied. Daraus lässt sich schließen, dass Vergleiche der Prostatakrebs-spezifischen Mortalität nicht durch den Einfluss anderer Todesursachen verfälscht werden. In Schweden hat sich der altersstandardisierte Trend der Prostatakrebs-Mortalität in den Jahren zwischen 1987 und 2012 mit 60 bis 70 Todesfällen pro 100 000 Männer nur unwesentlich verändert. Daher ist es unwahrscheinlich, dass der Unterschied in der Mortalität in den Kohorten von Göteborg und Malmö allein auf die gestiegene Effektivität der Prostatakrebs-Behandlung zurückzuführen ist.

Trotz der durch das PSA-Screening deutlich angestiegenen Diagnosehäufigkeit um 872 pro 10 000 Männer waren im Vergleich mit der allenfalls sporadischen PSA-Testung in der Prä-PSA-Ära, während 17-jähriger Beobachtung signifikant weniger Männer an Prostatakrebs gestorben (57 pro 10 000 Männer weniger). Um in dieser Zeit einen Tod durch Prostatakrebs zu vermeiden ist es notwendig, bei 176 Männern ein PSA-Screening durchzuführen und dabei 16 Prostatakrebsdiagnosen zu stellen. Wurden bei der Analyse ausschließlich Männer berücksichtigt, die das Screening zwischen dem 50. und 54. Lebensjahr begonnen hatten, waren zur Vermeidung eines Prostatakrebs-Toten 222 getestete Männer und 18 Diagnosen erforderlich.

   Bei Männern kann das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, durch ein PSA-Screening bereits im Alter von 50 bis 54 Jahren gesenkt werden.

Die Anzahl der Männer, die dabei am PSA-Screening teilnehmen müssen und die erforderliche Anzahl zu entdeckender Fälle, um einen Prostatakrebs-spezifischen Tod zu vermeiden, ist der in der ERSPC bei Männern von 55 bis 69 Jahren vergleichbar.


Carlsson S, Assel M, Ulmert D, et al. 2017. Screening for prostate cancer starting at age 50–54 years. A population-based cohort study. Eur urol 71:46-52.

Januar  2017

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