Prostatakrebs — biochemisches Rezidiv:
Akute Toxizität und Lebensqualität nach dosis-intensivierter Salvage-Strahlentherapie


  Die Salvage-Strahlentherapie (SST) ist die einzige potenziell kurative Behandlungsmethode für Prostatakrebs-Patienten bei ersten Anzeichen eines biochemischen Rezidivs nach radikaler Prostatektomie.

  In einer randomisierten Phase-III-Prüfung wurde analysiert, inwieweit sich die Dosis-Intensivierung dabei auf Toxizität und Lebensqualität auswirkt (Ghadjar P, et al. 2016):

  Patienten mit nodal-negativem Adenokarzinom der Prostata erhielten bei biochemischem Versagen nach radikaler Prostatektomie eine Salvage-Strahlentherapie (ohne Nachweis einer makroskopischen Krankheit). Die Männer wurden auf einen Arm mit 64 Gy (n=169) und einen Arm mit 70 Gy (n=175) verteilt. Für die Analyse standen 169 Patienten des 64-Gy-Arms und 175 Patienten des 70-Gy-Arms zur Verfügung.

  Vor Behandlungsbeginn hatten 119, 30 und 2 Patienten urogenitale Symptome vom Grad 1, 2 bzw. 3. Die Beschwerden waren überwiegend auf Harninkontinenz und erhöhte Miktionsfrequenz zurückzuführen. Inkontinenzprobleme bestanden bei ca. der Hälfte der Patienten nach der SST unverändert fort. In 46 Fällen verbesserte sich und in sieben Fällen verschlechterte sich die Inkontinenz.

Bei 23 Patienten (13,6%) des Gy-64-Arms trat akute urogenitale Grad 2/3-Toxizität auf. Im Gy-70-Arm waren es 32 Fälle (18,3%). Akute gastrointestinale Toxizität Grad 2 trat im Gy-64-Arm bei 28 und im Gy-70-Arm bei 31 Patienten auf.

Aus Sichtweise der Patienten unterschied sich die Beeinflussung der Lebensqualität drei Monate nach Beendigung der Therapie bei Dosis-intensivierter und Standard-Strahlentherapie nur geringfügig. Die Einschätzung war gegenüber Baseline nahezu unverändert. Etwa gleiche Anteile an Patienten in beiden Behandlungsarmen gaben Verbesserungen und Verschlechterungen ihrer allgemeinen Gesundheit/Lebensqualität an (Gy-64: 28,4% bzw. 27,2%; Gy-70: 28% bzw. 27,4%). Allerdings gaben Männer des Gy-70-Arms häufiger geringfügige, klinisch relevante Verschlechterungen ihrer urogenitalen Symptome an, während die entsprechenden Werte bei den Männern des Gy-64-Arms vorwiegend stabil blieben.

   Die Dosis-intensivierte Salvage-Strahlentherapie stand nur mit einer relativ geringen urogenitalen und gastrointestinalen Toxizitätsrate im Zusammenhang.

Ghadjar P, Hayoz S, Bernhard J, et al. 2015. Acute toxicity and quality of life after dose-intensified salvage radiation therapy for biochemically recurrent prostate cancer after prostatectomy: first results of the randomized trial SAKK 09/10. J Clin Oncol 33:4158-4166.

Januar  2016

Drucken Referent: jfs