Prostatakarzinom:
Klinische Bedeutung von Tumoren mit hohem Gleason Score und niedrigem PSA


  In der Regel ist ein höhergradiges Prostatakarzinom (Gleason 8-10) mit einem erhöhten PSA-Wert assoziiert. Seltener präsentieren sich hingegen Patienten mit hohem Gleason Score und dennoch niedrigem PSA-Wert. Die maßgebliche Variante des Prostatakrebses mit geringer PSA-Sekretion ins Blut ist der neuroendokrine Prostatakrebs. Ob durch niedriges Serum-PSA gekennzeichnete hochgradige Prostatakarzinome gemeinsame genomische Besonderheiten mit neuroendokrinem Prostatakrebs aufweisen, ist bisher nicht untersucht.

  Welche klinischen Konsequenzen und genomischen Besonderheiten hat ein niedriger PSA-Wert bei hochgradigen Prostatakarzinomen?

  In einer retrospektiven amerikanischen Untersuchung wurden die Daten von 494.793 Patienten der National Cancer Data Base (NCDB) und von 136.113 Patienten des Surveillance, Epideniology, and End Results (SEER) Programms sowie genomische Daten von 4.960 Patienten der Decipher Genomic Resource Information Database ausgewertet.
     
Abb.: Adjustierte kumulative Inzidenz der Prostatakrebs (PCa)-spezifischen Mortalität: Patienten mit Gleason Score 8–10 und PSA ≤2,5 ng/ml im Vergleich zu Patienten gesondert nach NCCN-Risiko-gruppen. HR/SHR hohes/sehr hohes Risiko, IR intermediäres Risiko; NR/SNR niedriges/sehr niedriges Risiko.
 

  Bei 5,6% der Prostatakarzinom-Patienten mit einem Gleason Score 8-10 lag bei der Diagnosestellung ein PSA-Wert ≤2,5 ng/ml vor. Die krebsspezifische Mortalität bei einem Gleason Score 8-10 in Abhängigkeit vom PSA-Wert zeigte eine U-förmige Verteilung mit höherer Mortalität bei einem PSA-Wert ≤2,5 ng/ml sowie >20,0 ng/ml. Im Gegensatz dazu stieg die krebsspezifische Mortalität für Patienten mit einem Gleason Score ≤7 linear mit steigendem PSA-Wert an. Patienten mit einem Gleason-Tumor 8–10 und einem PSA-Spiegel ≤2,5 ng/ml hatten im Vergleich zu Patienten in der hohen/sehr hohen Risikogruppe nach dem National Comprehensive Cancer Network (NCCN) und einem PSA-Spiegel >2,5 ng/ml ein signifikant höheres Prostatakrebs-spezifisches Mortalitätsrisiko (Adjustiertes Hazard Ratio [AHR]: 2,15, 95% KI 1,31–3,52; p=0,002; 47-monatige adjustierte Prostatakrebs-spezifische Mortalität 14,0% vs 4,9%. Abb.).

Bei Patienten der NCDB-Kohorte mit Gleason-8-10-Tumoren, die eine Strahlentherapie erhalten hatten, stand eine Androgendeprivationstherapie (ADT) bei einem PSA >2,5 ng/ml nicht aber bei einem PSA ≤2,5 ng/ml mit einem signifikanten Gesamtüberlebensvorteil im Zusammenhang (AHR 0,87, 95% KI 0,81–0,94; p<0,001 vs. 1,36, 95% KI 0,96–1,94; p=0,084).

Bei Gleason-8-10-Tumoren und einem PSA ≤2,5 ng/ml ließen Transkriptom-Analysen im Vergleich zu Gleason-8-10-Tumoren und einem PSA >2,5 ng/ml eher einen Zusammenhang mit genomischen Signaturen der neuroendokrinen/kleinzelligen Prostatakarzinome erkennen. Die umgekehrte Wahrscheinlichkeit wurde für die Androgenrezeptor-Signalweg-Signatur festgestellt. Bei Gleason-≤7-Tumoren wurde keine entsprechende Tendenz beobachtet.

   Prostatakarzinom-Patienten mit einem niedrigen PSA-Wert und hohem Gleason Score haben ein sehr hohes Risiko, an ihrem Krebsleiden zu versterben, sprechen möglicherweise nicht gut auf eine ADT an und weisen neuroendokrine Eigenschaften auf. Etablierte prognostische Nomogramme und Therapieempfehlungen müssten für diese Klientel entsprechend modifiziert werden.

Mahal BA, Yang DD, Wang NQ, et al. 2018. Clinical and genomic characterization of low-prostate-specific antigen, high-grade prostate cancer. Eur Urol 74:146-154.

Oktober  2018

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