Urothelkarzinom
Nicht übereinstimmende Höhe der PD-L1-Expression im Primärtumor und in Metastasenbiopsien


  In verschiedenen klinischen Studien ließ sich bei Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom das Ansprechen auf Anti-PD-1/PD-L1-Therapien mit hoher intratumoraler PD-L1-Expression korrelieren. Andererseits haben solche Studien auch übereinstimmend erkennen lassen, dass eine hohe Expression von PD-L1 in der Tumor-Mikroumgebung für das therapeutische Ansprechen der Anti-PD-1/PD-L1 Antikörper nicht erforderlich ist. In einigen Fällen wurde auch ein Ansprechen von angegebenermaßen nicht PD-L1 exprimierenden Tumoren berichtet. In diesem Zusammenhang wurde hypothetisiert, dass im Primärtumor und metastatischen Läsionen nicht übereinstimmende dynamische raumzeitliche PD-L1-Expressionsmuster einen prädiktiven Einfluss haben.

  Zum Nachweis der vermutetermaßen dynamischen PD-L1-Expression in der Tumor-Mikroumgebung sollte bei jeweils denselben Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom das Ausmaß der nicht übereinstimmenden PD-L1-Expression im Primärtumor und in Metastasenbiopsien ermittelt werden.

  In der Tumorbank des Levine Cancer Institute, Atrium Health, Charlotte, NC, wurden Patienten
     
Abb.: Abb.: Höhe der PD-L1-Expression im Immunzell (IZ)- und Tumorzell (TZ)-Kompartiment, sowie der Koexpression in beiden zellulären Kompartimenten (TZ+IZ) des Primärtumors und in metastatischen Läsionen.
 
identifiziert, bei denen zwischen Januar 2007 und Februar 2018 ein metastasiertes Urothelkarzinom diagnostiziert worden war. Sie kamen für die Studie in Frage, wenn von ihnen zusammengehörende archivierte Tumorproben des Primärtumors und von metastatischen Läsionen für immunhistochemische Analysen zur Verfügung standen. Die Färbungen beider Proben wurden gesondert nach Tumorzell- und Immunzell-Kompartiment nach dem Prozentsatz positiver Zellen mit null (PD-L1 = 0%), niedrig (PD-L1 <5%) oder hoch (PD-L1 ≥5%) kategorisiert.

  Innerhalb der Proben wurde eine variierende räumliche Verteilung der intratumoralen PD-L1-Expression registriert. In Primärtumoren und metastatischen Läsionen wurde bei 14,5% bzw. 11,5% der Patienten eine hohe (≥5%) PD-L1-Expression der Tumor-Immunzellen registriert. Für die PD-L1-Expression in Tumorzellen waren es entsprechend 6% bzw. 7,7% der Patienten. Hohe PD-L1-Expression sowohl im Immunzell- als auch im Tumorzell-Kompartiment wurde nur in 3,6% der Primärtumore und in 2,6% der metastatischen Läsionen gesehen (Abb.). In den Immunzell-Kompartimenten des Primärtumors und der metastatischen Läsionen wurde in 56,6% bzw. 79,5% der analysierten Proben keine PD-L1-Expression entdeckt. Der Anteil an Null-Expression von PD-L1 war sowohl im Primärtumor als auch in Metastasenbiopsien im Tumorzell-Kompartiment größer als im Immunzell-Kompartiment.

   Die Studie liefert eine Erklärung für den vielfach festgestellten unzulänglichen prädiktiven Wert des PD-L1-Status eines Tumors bei Immun-Checkpoint-Therapien: Bei Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom stimmt eine hohe PD-L1-Expression im Immunzell-Kompartiment zwischen Primärtumor und metastatischen Läsionen vielfach nicht überein. Sollte die Entscheidung zu einer Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren am PD-L1-Expressionsstatus ausrichten, empfiehlt sich daher die Berücksichtigung einer zeitnahen Metastasenbiopsie.

Burgess EF, Livasy C, Hartman A, et al. 2019. Discordance of high PD-L1 expression in primary and metastatic urothelial carcinoma lesions. Urol Oncol pii: S1078-1439(19)30002-X. [Epub ahead of print]

März  2019

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