Prostatakrebs-Screening
Überlebensdaten einer unikalen Kohorte mit 19 Jahren Follow-up


  In der European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) konnte nach 13-jährigem Follow-up nachgewiesen werden, dass das Prostata-spezifisches Antigen (PSA)-basierte Screening zu einer signifikanten Verringerung der Prostatakrebs (PCa)-Mortalität führt (Schröder et al. 2014, Lancet 384:2027). Dem stand die kontemporäre Intention-to-screen-Analyse der Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian (PLCO)-Cancer-Screening-Studie konträr gegenüber, deren Resultate keine Verringerung der krebsspezifischen Mortalität aufgrund des Screenings auswiesen. Da die Qualität der Ergebnisse einer Prostatakrebs-Screening-Studie unter anderem von der PSA-Test-Abstinenz im Kontroll-Arm abhängt, könnten aktuelle Daten einer Kohorte aus den Anfangstagen der ERSPC-Aktivitäten die anhaltende Diskussion über pro und kontra Prostatakrebs-Screening neu beleben. Bestimmt wurde der langfristige Screening-Effekt in einer Kohorte der ERSPC (1. Rotterdamer Pilotstudie), deren Teilnehmer in der Zeit zwischen 1991 und 1992 randomisiert worden waren.

  Die erste Rotterdamer Pilotstudie der ERSPC startete 1991 mit 1.134 Männern, deren PSA-Spiegel <10,0 ng/ml. Von ihnen waren 553 in den Screening-Arm und 581 und 581 in den Kontroll-Arm randomisiert worden. Der mediane Baseline-PSA-Spiegel im Screening-Arm betrug 1,2 ng/ml (Interquartilbereich [IQR]: 0,5–2,2) und 1,1 ng/ml (IQR: 0,5–2,1) im Kontrollarm. Das mediane Alter der Männer bei der Randomisierung betrug 64 Jahre (IQR: 60–69). Die mediane Nachbeobachtungszeit erreichte 19 Jahre (IQR: 12–24). Die Teilnehmer dieser Rotterdamer ERSPC-Pilotstudie wurden nicht in die Rotterdamer Sektion der ERSPC-Hauptstudie integriert.

  Als kumulative PSA-Kontaminationsrate im Kontrollarm wurden 4,5% – in den ersten vier Jahren 1,8% – eruiert.

     
Abb. 1: Nelson-Aalen-Kalkulationen (einschließlich 95% Konfidenzintervalle) der kumulativen Progression zu metastasierter Krankheit (M+) für die randomisierten Männer mit einem PSA-Spiegel <10,0 ng/ml.
 
Abb. 2: Nelson-Aalen Kalkulationen (einschließlich 95% Konfidenzintervalle) der kumulativen Prostatakrebs-spezifischen Mortalität (PCSM) für die randomisierten Männer mit einem PSA-Spiegel <10,0 ng/ml.
 
Im Screening-Arm wurde bei 71 Männern Prostatakrebs diagnostiziert gegenüber 57 Prostatakrebsfällen im Kontroll-Arm. Das bedeutet, dass bei 1.000 randomisierten Männern durch das Screening 32 zusätzliche Prostatakrebs-Fälle entdeckt wurden. Metastasierter Prostatakrebs wurde bei drei Männern im Screening-Arm und acht Männern im Kontroll-Arm entdeckt. Während der Nachbeobachtungszeit kam es bei sieben Männern im Screening-Arm und 16 Männern im Kontroll-Arm zur Metastasierung. Zugunsten des Screenings entsprach das einem insgesamtem relativen Risiko (RR) für Metastasierung von 0,46 und einem 19-Jahre-spezifischen RR für Metastasierung von 0,42 (Abb. 1).

Bis zum Zeitpunkt der Analyse waren 63% (718/1.134) aller Studienteilnehmer verstorben. Bei fünf Männern im Screening-Arm und elf Männern im Kontroll-Arm war Prostatakrebs die Todesursache. Das insgesamte RR der Prostatakrebs-spezifischen Mortalität bei Männern im Screening-Arm gegenüber Männern im Kontroll-Arm betrug 0,48. Das 19-Jahre-spezifische RR für Prostatakrebs-spezifische Mortalität war 0,47 zugunsten des Screenings (Abb. 2). Die absolute Risikoreduktion der Metastasierung and Prostatakrebs-spezifischen Mortalität waren 14,9 bzw. 9,9 pro 1.000 Männer. Um eine Metastasierung oder einen Todesfall infolge Prostatakrebs abzuwenden, erforderte das Screening von 67 bzw. 101 Männern.

Im Screening-Arm unterzogen sich 75% der Prostatakrebs-Patienten einer Behandlung und 25% der aktiven Überwachung. Im Kontroll-Arm waren es bei den bekannten Fällen 53% bzw. 30%.

   Die aktuellen Langzeitdaten der 1. Pilotstudie der Rotterdamer ERSPC-Sektion zeigen, dass PSA-basiertes Prostatakrebs-Screening zu einer beträchtlichen Reduktion sowohl der Entwicklung von Metastasen als auch der Prostatakrebs-spezifischen Mortalität führen kann. Diese Daten sind insbesondere aussagekräftig, da die Randomisierung für die Studie zu einer Zeit erfolgte, in der noch mit fast keiner Verfälschung durch PSA-Tests im Kontroll-Arm zu rechnen war, und inzwischen über 60% der Teilnehmer verstorben sind.

Schröder FH, Hugosson J, Roobol MJ, et al. 2014. Screening and prostate cancer mortality: results of the European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) at 13 years of follow-up. Lancet 384:2027-2035.
Osses DF, Remmers S, Schröder FH, et al. 2019. Results of prostate cancer screening in a unique cohort at 19 yr of follow-up. Eur Urol 75:374-377.

März  2019

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