Lokalisiertes Prostatakarzinom:
Neue klinisch-genomische Risikogruppen-Klassifizierung


  Behandler verwenden verschiedene Methoden, die Aggressivität des lokalisierten Prostatakarzinoms einzuschätzen. Unter anderem werden Patienten in Risikogruppen eingeteilt, wie sie beispielsweise vom National Comprehensive Network (NCCN) klassifiziert werden. Neue genomische Gruppierungen sind häufig schwer in die bestehenden Empfehlungen der Leitlinien zu integrieren.

  Ein neues klinisch-genomisches Risikogruppensystem wurde entwickelt, das klinisch einfach anwendbar ist und in die bestehenden Leitlinien integriert werden kann.

  Es wurden Gewebeproben von zwei Kohorten mit 991 Prostatakarzinompatienten retrospektiv für das Training und die Validierung von klinisch-genomischen Risikogruppen verwendet. Zwei zusätzlichen prospektiven Kohorten mit 5.937 Patienten wurden nach dem neuen System reklassifiziert.

  Mit den bestehenden 4er- und 6er-NCCN-Risikogruppen zur Vorhersage eines PSA-Progresses wurde die Entwicklung von Fernmetastasen innerhalb der retrospektiven Trainingskohorte getestet. Mit der Zusammenführung der 4er-NCCN-Risikoeinteilung und drei genomischen Risikounterscheidungen wurden sechs Risikogruppen mit 0-5 Punkten gebildet, von denen jeweils zwei zu insgesamt drei Risikogruppen mit 0-1 Punkten (geringes Risiko), 2-3 Punkten (mittleres Risiko) und 4-5 Punkten (hohes Risiko) zusammengefasst wurden.

Die 10-Jahres-Fernmetastasen-Rate betrug in der Gruppe mit geringem Risiko laut klinisch-genomischem Score 3,5%, in der Gruppe mit mittlerem Risiko 29,4% und in der Hochrisiko-Gruppe 54,6% (Abb. 1). Die 10-Jahres-Rate der krebsspezifischen Mortalität der drei Risikogruppen betrug 2,0%, 10,7% und 27,3% (Abb. 2).

Diese Ergebnisse konnten in der retrospektiven Validierungskohorte validiert werden. Die Reklassifizierung der alleine nach NCCN-Kriterien eingeordneten Risikogruppen ergab mit dem neuen genomisch modifizierten Score eine Änderung der Risikoeinschätzung bei 66,6% der Patienten.

Abb. 1: Kumulative Inzidenz von Fernmetastasen bei Patienten mit geringem, mittlerem und hohem Risiko laut klinisch-genomischem Risiko-Score.

Abb. 2: Kumulative Inzidenz von Prostatakarzinom-spezifischer Mortalität bei Patienten mit geringem, mittlerem und hohem Risiko laut klinisch-genomischem Risiko-Score



   Mit einem kommerziell verfügbaren genomischen Test plus der Standardeinteilung nach NCCN-Risikoscore lässt sich eine einfache klinisch-genomische Risikoklassifizierung generieren, die in hohem Maße prognostisch für die Fernmetastasierung ist. Durch die präzisere Identifikation von Patienten mit geringem, mittlerem und hohem Risiko für einen Rückfall können bessere Therapieentscheidungen getroffen werden. Der neue Risikoscore lässt sich gut mit den geläufigen NCCN-Leitlinien vereinbaren.

Spratt DE, Zhang J, Santiago-Jiménez M, et al. 2018. Development and validation of a novel integrated clinical-genomic risk group classification for localized prostate cancer. J Clin Oncol 36:581-590.

März  2018

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