Parametrische MRT → Verdacht auf Prostatakrebs:
Abklärung mit gezielter MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie versus systematischer Biopsie


  Bei der diagnostischen Abklärung eines Verdachts auf Prostatakrebs ist die systematische mittels transrektalem Ultraschall (TRUS)-geleitete Biopsie Standard. Aufgrund deren begrenzter Sensitivität und mangelnder Selektivität der Detektion klinisch signifikanter Prostatakarzinome werden heute auch alternative Strategien und Techniken propagiert. Mit der multiparametrischen Magnetresonanztomographie (mpMRT) lassen sich karzinomverdächtige Areale in der Prostata lokalisieren und können nach Risikowahrscheinlichkeit stratifiziert werden. Mit der MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie (MRT-UFB) können die suspekten Areale dann gezielt biopsiert werden.

  In diesem Zusammenhang wurden bei Männern mit unterschiedlicher Indikationsstellung zur Biopsie die Ergebnisse der systematischen Biopsie und der gezielten MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie nach einer mpMRT verglichen (Meng X, et al. 2016):

  Das Studienkollektiv umfasste 601 Männer, die sich zwischen Juni 2012 und August 2014 am Langone Medical Center, New York, vor der Prostatabiop­sie einer mpMRT unterzogen hatten. Bei allen Männern war vor der Biopsie eine mpMRT durchgeführt worden. Auf den Bildern wurden Krebsverdächtige Areale anhand eines MRT-Verdacht-Scores (MRT-VS) wie folgt eingestuft: 2=niedrige, 3=mehrdeutige, 4=hohe und 5=sehr hohe Wahrscheinlichkeit eines Gleason 7-Tumors.

  Im Studienkollektiv waren die Voraussetzungen für die Indikation zur Biopsie unterschiedlich: Von den 601 Männern hatten 292 zuvor noch keine Biopsie. In 309 Fällen bestand zuvor schon der Verdacht auf Prostatakrebs. Bei 172 Männern war eine systematische Biopsie negativ ausgefallen. In 137 Fällen Biopsien war ein gering-volumiges Gleason 6-Prostatakarzinom diagnostiziert worden, das zur Berücksichtigung in einem Active-Surveillance-Programm geführt hatte.

Mit beiden Biopsie-Verfahren unterschied sich die Detektionsrate aller Prostatakarzinome im Gesamtkollektiv nicht wesentlich. Allerdings wurden mit gezielter MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie signifikant weniger Gleason 6-Tumoren und dafür signifikant mehr Gleason 7-Tumoren als mit der systematischen Biopsie entdeckt. Zudem waren unter den Gleason 7-Tumoren mit ersterem Verfahren mehr Prostatakarzinome mit dominantem Gleason-Muster 4 (p=0,025).

In allen drei Indikationsgruppen wurden mit der gezielten MRT-UFB mehr Gleason entdeckt. Bei den Erstbiopsien war eine insgesamt niedrigere Detektionsrate mit MRT-UFB gegenüber systematischer Biopsie auf deutlich weniger Gleason 6-Prostatakarzinome zurückzuführen. Ein ähnliches Verteilungsmuster wurde bei den Kontrollbiopsien in der Gruppe der zuvor positiv befundeten Männer registriert. In der Gruppe mit zuvor negativer Biopsie wurden mit MRT-UFB deutlich mehr Gleason 7-Tumoren aber gleich viele Gleason 6-Tumoren wie mit systematischer Biopsie entdeckt.

Bei höheren MRT-VS bestand für systematische Biopsien und für gezielte MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsien der statistisch signifikante Trend zu einer erhöhten Detektionsrate für Gleason 7-Prostatakarzinome (Abb.).

   Bei Prostataarealen mit höherem MRT-Verdacht-Score bestand bei allen Männern ungeachtet der Indikation zur Biopsie die hohe Wahrscheinlichkeit eines Gleason-Score 7-Tumors. Mit gezielter MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie der Pros­tata wurden vermehrt aggressive Tumoren mit Gleason Score 7 entdeckt, während ein Teil der indolenten Gleason 6-Fälle wegfiel.

Der diagnostische Nutzen der gezielten MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie hinsichtlich der Konzentration auf die Entdeckung klinisch signifikanter Prostatakarzinome war in allen Indikationsgruppen deutlich ausgeprägt.


Meng X, Rosenkrantz AB, Mendhiratta N, et al. 2016. Relationship between prebiopsy multi­parametric magnetic resonance imaging (MRI), biopsy indication, and MRI-ultrasound fusion-targeted prostate biopsy outcomes. Eur Urol 69:512-517.

März  2016

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