Hochrisiko-Prostatakrebs
Krankheitsergebnis von Dauer der Androgendeprivationstherapie abhängig?


  Patienten mit Hochrisiko-Prostatakrebs (HRPC), die zur Strahlentherapie eine 36-monatige Androgendeprivationstherapie (ADT) erhalten, haben eine längere Gesamtüberlebenswahrscheinlichkeit als mit Strahlentherapie oder ADT alleine. Allerdings besteht noch Unklarheit über die hinreichende Dauer einer ADT. Da eine langfristige ADT mit Toxizität und beeinträchtigter Lebensqualität verbunden sein kann, werden Untersuchungen unternommen, inwieweit die Gesamtdauer einer ADT begrenzt werden kann, ohne die Therapieergebnisse zu beeinträchtigen.

  In einer randomisierten Überlegenheitsstudie sollten die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit Hochrisiko-Prostatakrebs verglichen werden, die eine Strahlentherapie in Kombination mit entweder 36 oder 18 Monaten erhalten hatten.

  Im Zeitraum von Oktober 2000 bis Januar 2008 wurden 630 Patienten mit HRPC randomisiert mit Prostatastrahlentherapie entweder in Kombination mit 36 Monaten ADT (Langarm n=310) oder in Kombination mit 18 Monaten ADT (Kurzarm n=320) behandelt.

  Die mediane Dauer der ADT aller Patienten im Langarm betrug 35,4 Monate und 17,9 Monate im Kurzarm.

Nach einem medianen Follow-up von 9,4 Jahren waren 290 Patienten gestorben (147 im Langarm vs. 143 im Kurzarm). Die 5-Jahres-Raten für Gesamtüberleben (OS) betrugen 91% bzw. 86%; p=0,07. Die entsprechenden 10-Jahres-Raten waren 62% bzw. 62%; p=0,7. Die 5- und 10-Jahres-Raten für krankheitsspezifisches Überleben (DSS) waren in Langarm und Kurzarm jeweils vergleichbar.

In der uni- und multivariaten Cox Regressionsanalyse für OS waren nur Alter und Gleason Score >7 statistisch signifikante Prädiktoren des Überlebens. Weder die Dauer der ADT, T3-T4-Stadium noch PSA >20 ng/ml waren in der Intention-to-treat-Analyse prädiktive Faktoren für OS.

Bei insgesamt 182 Patienten kam es zu biochemischem Versagen (77 im Langarm vs. 105 Kurzarm). Die kumulative Inzidenz des biochemischen Versagens nach 10 Jahren betrug 25% im Langarm und 31% im Kurzarm p=0,02. Nur 44 (24%) der Patienten mit biochemischem Versagen erhielten keine zweite ADT (vergleichbare Anteile in beiden Armen). Bei 83 Patienten kam es zur Progression des Prostatakrebses (40 im Langarm vs. 43 im Kurzarm). Fernmetastasen traten ohne Unterschied zwischen den Behandlungsarmen hauptsächlich im Skelettsystem auf. Die Entwicklung zur Kastrationsresistenz bei 52 Männern betraf 25 im Langarm und 27 im Kurzarm. Die 10-Jahres-Raten des DSS betrugen 45% bzw. 39% (p=0,08).

Die Analyse der globalen Lebensqualität (QoL) anhand zweier validierter European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC)-Fragebögen ergab für beide ADT-Arme keinen statistisch signifikanten Unterschied (p=0,3). Andererseits waren die Ergebnisse auf sechs von 21 Skalen (physische, emotionale und soziale Funktionen, Fatigue, mit der Hormonbehandlung assoziierte Symptome sowie sexuelle Aktivität) und bei 13 von 55 Punkten (beschwerliches längeres Laufen, während des Tages im Bett bleiben, Schwäche, Gereiztheit, beunruhigt, depressiv, Nähe zur Toilette suchend, Blut im Stuhl, Hitzewallungen, vergrößerte Brüste, an Sex interessiert, sexuell aktiv, Gefallen am Sex) zugunsten des Kurzarms statistisch signifikant (p <0,01).

Ein signifikant höherer Anteil Patienten (58%) im Kurzarm als im Langarm (48%) erlangte einen normalen Testosteronspiegel zurück (p=0,02).

   Hinsichtlich der Gesamtüberlebenswahrscheinlichkeit waren Patienten mit lokalisiertem Hochrisiko-Prostatakrebs, bei Kombination der Strahlentherapie mit 36 Monaten ADT gegenüber denen mit nur 18 Monaten ADT nicht im Vorteil. Daher könnte sich die Strahlentherapie mit 18 Monaten ADT bei lokalisiertem Hochrisiko-Prostatakrebs als eine zulässige Therapieoption herausstellen. Die Männer profitierten davon in verschiedenen Domänen der QoL ohne ihre Überlebenswahrscheinlichkeit zu beeinträchtigen.

Nabid A, Carrier N, Martin A-G, et al. 2018. Duration of androgen deprivation therapy in high-risk prostate cancer: A randomized phase III trial Eur Urol 74:432-441.

Januar  2019

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