Krebs und Thrombose: Auf der Suche nach der optimalen Therapie

Für die Behandlung von Tumorpatienten mit Thrombosen und Lungenembolien sind niedermolekulare Heparine (NMH) besonders geeignet. Dies ist das Fazit eines von LEO Pharma unterstützten Symposiums beim Kongress des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker ADKA e. V. in Mainz. NMH reduzieren das Risiko für wiederkehrende Thrombosen im Vergleich zu einer Standardtherapie mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA) erheblich, so Prof. Ulrich Hoffmann (München). Das ist von großer Relevanz, da das Rezidivrisiko von Tumorpatienten höher ist als bei Patienten ohne Tumoren. Auch gegenüber den neuen oralen Antikoagulantien haben Heparine bei bestimmten Patientengruppen eindeutige Vorteile. Wie Prof. Susanne Alban (Kiel) berichtete, haben Heparine als körpereigene Substanzen keine toxischen Effekte und sind daher das Mittel der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit, Kindheit und Jugend. Darüber hinaus wirken Heparine nicht nur gerinnungshemmend, sondern auch antiinflammatorisch, komplementhemmend sowie antimetastatisch. Solche Zusatzeffekte sind von den neuen selektiven Thrombin- und Faktor-Xa-Inhibitoren nicht zu erwarten, so Alban.

Tumoren sind häufig mit Thrombosen oder Lungenembolien assoziiert. Dieser Zusammenhang wurde bereits 1865 von Armand Trousseau beschrieben. Fast jeder sechste Tumorpatient erleidet eine venöse Thromboembolie (VTE) – ein Ereignis, das mit erhöhter Mortalität verbunden ist.

Gezielte Prophylaxe und Therapie mit NMH

Prof. Hoffmann zufolge besteht ein besonders hohes Risiko bei chirurgischen Eingriffen. Etwa 60 Prozent der Patienten werden operiert. „Tumorpatienten profitieren grundsätzlich von einer verlängerten, vierwöchigen Prophylaxe mit NMH“, meint der Experte. Auch bei einer Chemotherapie sollten Patienten mit einem hohen Risiko vorsorglich mit NMH behandelt werden, so Hoffmann. Ein zentraler Venenkatheter erfordere hingegen nicht grundsätzlich eine Routineprophylaxe.

Wenn ein thromboembolisches Ereignis aufgetreten ist, profitieren Tumorpatienten besonders von NMH: Für Dalteparin und Tinzaparin konnte die Überlegenheit gegenüber VKA in Studien gezeigt werden [1, 2]. Diese NMH reduzieren das VTE-Rezidivrisiko, ohne dabei das Blutungsrisiko zu erhöhen. In der CATCH-Studie werde derzeit die optimale Dosis und Dauer der Behandlung für Tinzaparin untersucht.


Oral oder parenteral?

Von den neuen oralen Antikoagulantien ist laut Prof. Alban nur Rivaroxaban für die VTE-Therapie zugelassen. Im Vergleich zur INR-adjustierten Therapie mit VKA ist das Fixdosis-Regime mit Rivaroxaban ohne initiale parenterale Therapie sicherlich eine interessante Therapieoption. Mangels Daten kann Rivaroxaban allerdings nicht als Alternative zu den NMH für die VTE-Therapie von Tumorpatienten empfohlen werden. Außerdem lägen zu Rivaroxaban bisher keine Daten zu Patienten mit einer schweren Niereninsuffizienz, d.h. mit einer Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min, vor, so Alban. Bestimmte niedermolekulare Heparine, wie zum Beispiel Tinzaparin, sind dagegen nahezu frei von Akkumulation [3, 4]. Auch zeigten sie keine CYP450- und pGP-Abhängigkeit, sodass keine entsprechenden pharmakokinetischen Interaktionen mit anderen Arzneistoffen auftreten. „Heparine sind wohl in vielen klinischen Situationen noch lange State of the Art“, meint Alban. Auch von den neuen amerikanischen Leitlinien werden sie als Standardbehandlung bei Tumorpatienten empfohlen [3].

Quelle: Leo Pharma

Literatur:
[1]Lee AY et al. 2003. N Engl J Med 349:146-153.
[2]Hull RD, et al. 2006. Am J Med 119:1062-1072.
[3]Kearon C et al. 2012. Chest 141:e419S-e494S.
[4]Siguret V et al. 2011. J Thromb Haemost 9:1966-1972.


August 2012

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