Herausforderung Ejaculatio praecox und Erektile Dysfunktion
Beziehungsfrust und unmet needs bei sexuellen Funktionsstörungen


Sexuelle Funktionsstörungen des Mannes sind weit verbreitet: Etwa jeder fünfte Mann zwischen 30 und 80 Jahren in Deutschland leidet unter der Erektilen Dysfunktion (ED), die mit zunehmenden Alter vermehrt auftritt [1, 2]. Der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox, EP) ist bei Männern unter 60 Jahren sogar die häufigste sexuelle Funktionsstörung, kommt aber unabhängig vom Alter vor [3, 4]. Doch nicht nur die Betroffenen selbst, auch die Partnerin ist indirekt von diesen sexuellen Funktionsstörungen belastet [3-7]. Welche Herausforderungen sich beim Thema „Sexualmedizin in der Praxis“ ergeben und welche wirksamen Therapieoptionen zur Verfügung stehen, diskutierten die Teilnehmer des Symposiums der Berlin-Chemie AG auf dem 66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU).

Sexuelle Funktionsstörungen sind in der klinischen Praxis ein schwieriges Thema, das oft mit Schamgefühl und hohen Hemmschwellen verbunden ist. „Ob Erektile Dysfunktion oder Ejaculatio praecox – oft trauen sich Patienten nicht, diese Probleme mit ihrem Arzt zu besprechen. Insbesondere ältere Betroffene haben damit häufig große Schwierigkeiten“, erläutert der Hamburger Urologe Prof. Dr. Hartmut Porst. Fokussierung auf Problem führt zu mangelnder Aufmerksamkeit Eine aktuelle, umfangreiche Studie dokumentiert zudem, dass beide Partner gleichermaßen von der Situation frustriert sind. 1.463 Frauen zwischen 20 und 50 Jahren, deren Partner von EP betroffen sind, wurden zu dieser Funktionsstörung und ihren Auswirkungen auf die eigene Sexualität befragt [7].

Wie die Ergebnisse zeigen, konzentriert sich der Mann zu sehr auf das Hinauszögern der Ejakulation [7]. Dabei vernachlässigt er die Wünsche der Partnerin, was 47,6 % der Befragten als häufigsten Grund für ihre sexuelle Unzufriedenheit angaben [7]. 39,9% nannten eine kurze intravaginale Penetrationsdauer als Hauptursache für ihre sexuelle Frustration [7]. „Der vorzeitige Samenerguss kann so belastend sein, dass Beziehungen sogar beendet werden – bei etwa einem Sechstel der befragten Frauen war dies bereits mindestens einmal der Fall“, wie die Autorin der Studie, Dr. Andrea Burri vom Psychologischen Institut – Klinische Psychologie der Universität Zürich, erklärt. „Eine wirksame Therapie kann sich daher positiv auf die Partnerschaft auswirken und zu einer höheren sexuellen Lebensqualität führen.“

Anforderungen im Praxis-Alltag

Behandler stehen bei sexuellen Funktionsstörungen jedoch zunächst vor der Aufgabe, Warnsignale zu erkennen und sexuelle Probleme anzusprechen. Hilfreich kann hierbei ein Anamnesebogen im Wartezimmer sein, etwa der „Sexual Complaints Screener Men“ der International Society of Sexual Medicine (ISSM) [8]. Ärzte können ihren Patienten zudem helfen, indem sie die Gesprächsinitiative ergreifen und routinemäßig nach der Sexualität fragen. Dadurch signalisieren sie, dass sie das Problem ernst nehmen und Hilfe möglich ist.

„Um sexuelle Funktionsstörungen des Mannes frühzeitig zu erkennen, sollten Ärzte auch die entscheidenden Vorerkrankungen beachten, wie bei der erektilen Dysfunktion etwa Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen. Für die Betroffenen stehen dann wirksame Therapieoptionen bereit, um die sexuelle Lebensqualität zu verbessern“, sagt Prof. Dr. Michael Zitzmann, Oberarzt am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Münster. Auch der Betroffene und seine Partnerin können durch offene Gespräche und der gemeinsamen Suche nach Lösungsansätzen dazu beitragen, der sexuellen Frustration entgegenzuwirken.

Therapieoptionen bei ED und EP

Bei Erektiler Dysfunktion kann seit März 2014 der neue PDE5-Hemmer Avanafil (Spedra®) eingesetzt werden. Bei der Entwicklung des Wirkstoffs standen die unmet needs in der ED-Therapie im Fokus: So wollen sich Betroffene die Spontanität beim Sex bewahren [9]. Unter den bislang verfügbaren PDE5-Hemmern kam es zudem bei mehr als der Hälfte der Patienten zum Behandlungsabbruch, oft aufgrund von mangelnder Wirksamkeit oder Nebenwirkungen [10]. Avanafil wird bei Bedarf 30 Minuten vor der sexuellen Aktivität eingenommen (maximal 1 Tablette/24h), wobei die Standarddosierung 100 mg beträgt. In einer Dosierung von 200 mg kann Avanafil bereits 10 Minuten nach erfolgter Einnahme wirken [11]. Mehrere Studien hatten verbesserte co-primäre Endpunkte (SEP 2, SEP 3, IIEF-EF)* im Vergleich zu Placebo gezeigt [11-14]. Unter Avanafil (100mg bzw. 200mg) kam es 15 Minuten nach der Einnahme zu 67% bzw. 71% erfolgreichen Geschlechtsversuchen, unter Placebo zu 27% [12]. Hinzu kommt eine gute Verträglichkeit durch die besondere Galenik und Molekülstruktur. Sie führt zur schnellen Resorption und spezifischen Bindung an die PDE5. Die hohe Selektivität des Wirkstoffs gilt als maßgeblich für die im Allgemeinen gute Verträglichkeit von Avanafil [15]. Ejaculatio praecox ist häufig therapierbar: Als erstes Medikament für die Behandlung dieser Funktionsstörung wurde der kurzwirksame Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Dapoxetin (Priligy®) entwickelt und zugelassen. Die nicht-interventionelle Studie PAUSE (Premature Ejaculation – Actual Use Safety and Effectiveness Study) untersuchte die Verträglichkeit unter Dapoxetin. 69,2% der 6.712 Patienten, die sich für diese Therapie entschieden hatten, waren mit der Initialdosis von 30 mg bei Bedarf (max. 1 Tablette/24 h) zufrieden und setzten die Therapie auch nach dem Studienzeitraum von 12 Wochen fort. Der Anteil an Patienten aus der Dapoxetin-Gruppe, bei denen die Dosis innerhalb dieses Zeitraums auf 60 mg bei Bedarf (max. 1 Tablette/24 h) erhöht wurde, lag bei 19% [16]. In dieser Studie waren die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen Übelkeit (3,1%), Kopfschmerzen (2,6%) und Schwindel (1,0%) [16]. In den Zulassungsstudien wurden zum Teil andere Häufigkeiten beobachtet [17].

*
SEP – Sexual Encounter Profile
SEP 2 – Prozentsatz der Versuche, die zu erfolgreicher vaginaler Penetration führten
SEP 3 – Prozentsatz der Versuche, die zu erfolgreichem Geschlechtsverkehr führten
IIEF-EF – International Index of Erectile Function – Erectile Function domain (Internationaler Index der Erektilen Funktion - Domäne Erektile Funktion

Referenzen:
[1] Braun M et al. Int J Impot Res. 2000;12:305-311.
[2] Eardley I. Sex Med Rev. 2013;1:3-16.
[3] Porst H et al. Eur Urol. 2007;51:816-823.
[4] Patrick DL et al. J Sex Med. 2005;2:358-367.
[5] Limoncin E et al. J Urol. 2013;189:1830-1835.
[6] Graziottin A and Althof S. J Sex Med. 2011;8:304-9.
[7] Burri A et al. J Sex Med. 2014 2014;9:2243-2255.
[8] Hatzichristou D et al. J Sex Med. 2010;7:337-48.
[9] Hackett Gl. Eur Urol. 2002;1:4-11.
[10] Jiann BP et al. Int J Impot Res. 2006;18:146-149.
[11] Goldstein I et al. Presented at the 19th Annual Fall Scientific Meeting of SMSMA, Nov 21-24, 2013, New Orleans, LA, USA. Poster 125.
[12] Goldstein I et al. J Sexual Med. 2012;9:1122-1133.
[13] Goldstein I et al. Mayo Clin Proc. 2012;87(9):843-852.
[14] Mulhall JP et al. J Urol. 2013;189:2229-2236.
[15] Wang R et al. J Sex Med. 2012;9:2122-2129.
[16] Mirone V et al. Eur Urol. 2014;65:733-739.
[17] McMahon CG et al. J Sex Med. 2011;8:524-539.


Quelle: Industrie-Symposium „Sexualmedizin in der Praxis“ im Rahmen der 66. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), Düsseldorf, 3. Oktober 2014 (Veranstalter: Berlin- Chemie AG).

November 2014

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