Ejaculatio praecox und Erektile Dysfunktion
Zu schnell, zu schlaff – Sexuelle Funktionsstörungen als Herausforderung im Praxisalltag?


Auch im Jahr 2014 fällt es vielen Männern schwer, ihre sexuelle Funktionsstörung in der ärztlichen Praxis anzusprechen. Daher bleibt ein Großteil der Betroffenen trotz guter Therapieoptionen unbehandelt. Dabei sind sexuelle Funktionsstörungen nicht selten: Der vorzeitige Samenerguss ist bei Männern unter 60 Jahren die häufigste sexuelle Funktionsstörung und tritt unabhängig vom Alter auf [1]. Anders die Erektile Dysfunktion, deren Prävalenz mit zunehmendem Alter ansteigt [2]. Zahlen für Deutschland zeigen, dass etwa 20 % der Männer zwischen 30 und 80 Jahren davon betroffen sind [3]. Die richtige Ansprache dieser Patienten sowie die neuesten Erkenntnisse zu sexuellen Funktionsstörungen standen im Fokus eines Symposiums der Berlin-Chemie AG im Rahmen des 120. Kongresses der DGIM.

„Sexuelle Störungen betreffen beide Partner gleichermaßen und belasten somit viele Ehen und Partnerschaften erheblich. Unsicherheit, Nervosität und Frustration über die sexuelle Unzufriedenheit setzen der Beziehung zu und verstärken zusätzlich die Probleme“, fasst Professor Hartmut Porst (Hamburg) und ehemaliger Präsident der Europäischen Gesellschaft für Sexualmedizin, die Situation vieler seiner Patienten zusammen.

Patienten wünschen sich Ansprache sexueller Themen durch den Arzt

Viele Patienten sind bereit, über sexuelle Probleme zu sprechen, allerdings wünschen sie sich eine aktive Ansprache durch den Arzt. Über einen Anamnesebogen im Wartezimmer, wie bspw. den „Sexual Complaints Screener Men“ der ISSM, der mit acht Fragen auch für die hausärztliche Praxis gut geeignet ist [4], kann die Hemmschwelle für den betroffenen Mann minimiert werden. „Wie in vielen anderen Fällen hilft auch hier ein offenes Gespräch zwischen den Partnern und mit dem behandelnden Arzt“, ist Porst überzeugt. Sexualität sollte genauso ein Routinethema in der Arztpraxis werden, wie andere medizinische Themen. Auch Apotheker sollten sich sowohl bei der Abgabe als auch bei der Beratung zu Medikamenten gegen sexuelle Störungen diskret aber offen für Fragen der Betroffenen verhalten.

Folgende Punkte können bei der Patientenansprache helfen:
• Patienten mit sexuellen Funktionsstörungen haben oft „feine Antennen“, ob ihr Gegenüber das Problem ernst nimmt oder nicht, bzw. einen falschen/falsch empfundenen „Tonfall“ anschlägt.
• Eine routinemäßige Frage nach der Sexualität symbolisiert, dass auch das ein Thema für den Arzt ist. Der Patient kann sich leichter öffnen und auf Gesprächsangebote eingehen.
• Möglichkeiten und Grenzen der Therapie sollten mit dem Patienten besprochen werden, um Enttäuschung bzw. Belastung der Arzt-Patienten-Beziehung zu vermeiden.
• Wichtige Nebenwirkungen müssen genannt werden und sollten nach Möglichkeit auf eigene Erfahrungen aus der Praxis gestützt werden.
• Es sollte Mut zur Veränderung mit der Aussicht auf Verbesserung gemacht werden.
• Wenn möglich, sollte der Patient in die Entscheidungsfindung bzgl. der Therapie mit eingebunden werden. An das, was der Patient selbst mitentschieden hat, wird er sich besser und genauer halten.

Herausforderungen in der Therapie der Erektilen Dysfunktion

PDE5-Hemmer sind heute die medikamentöse Erstlinien-Therapie bei Erektiler Dysfunktion [5], dennoch setzen mehr als die Hälfte der Patienten die Behandlung nicht fort [6,7]. Häufig begründen Patienten den Abbruch mit einer nicht ausreichenden Wirksamkeit oder unerwünschten Begleiterscheinungen [6]. Aber auch unzureichende Anweisungen durch den Arzt, fehlende Wiedereinbestellung oder eine nicht hinreichende Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse können zu einem Therapieabbruch führen [7]. Obwohl sexuelle Aktivitäten bei Paaren mit ED signifikant seltener werden [8], wollen die Betroffenen die Spontanität beim Sex beibehalten und diesen nicht vorher planen müssen [9].

Schneller Wirkeintritt bei guter Verträglichkeit

Seit März 2014 ist der neue PDE5-Hemmer Avanafil (Spedra®) verfügbar, der sich durch einen schnellen Wirkeintritt, sowie eine hohe Selektivität und gute Verträglichkeit auszeichnet [10-13]. Avanafil kann bereits 10 Minuten nach der Einnahme wirken [10]. Zudem verbesserten sich in mehreren Studien alle co-primären Endpunkte (SEP 2, SEP 3, IIEF-EF)* im Vergleich zu Placebo [10-13]. Der Anteil der erfolgreichen Geschlechtsverkehrversuche, die Männer bereits innerhalb von 15 Minuten nach Einnahme durchführten, war mit 67% bzw. 71% größer als in der Placebogruppe (27%) [10]. Seine besondere Galenik und Molekülstruktur, die Avanafil von Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil unterscheidet, führt zu schneller Resorption und spezifischer Bindung an die PDE-5 [14,15]. Die gute Verträglichkeit von Avanafil wird auf die hohe Selektivität des Wirkstoffs zurück geführt [15].

Ejaculatio praecox – Differenzierung zwischen lebenslanger und erworbener Form wichtig

Während immer mehr Betroffene aktiv eine Therapie für ihre Erektile Dysfunktion suchen, ist der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox) häufig noch ein Tabu. Zudem wissen viele der Betroffenen nicht, dass die sexuelle Funktionsstörung gut therapierbar ist und suchen schon aus diesem Grund keine ärztliche Hilfe. „Gegenwärtig sind noch viel zu wenige Ärzte mit dem Krankheitsbild Ejaculatio praecox vertraut. Entsprechend gilt es, das Wissen um die Diagnostik und die Therapiemöglichkeiten dieser sexuellen Funktionsstörung zu erweitern“, ist Professor Porst überzeugt.
Beim vorzeitigen Samenerguss werden die lebenslange (primäre) und die erworbene (sekundäre) Form unterschieden. Etwa 65% der betroffenen Männer leiden unter der primären Form, die bereits mit Beginn der sexuellen Aktivität auftritt [16]. Im Unterschied zur lebenslangen EP tritt der erworbene vorzeitige Samenerguss häufig erst nach vielen Jahren auf. Für diese Form charakteristisch ist ein vorangegangenes normales Ejakulationsverhalten. Die häufigste Ursache der sekundären Form ist die Erektile Dysfunktion, diese muss vorrangig therapiert werden. Eine Kombination von Dapoxetin mit PDE5-Hemmern ist nicht zulässig. Das erste zugelassene Medikament zur Behandlung ist der kurzwirksame Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Dapoxetin (Priligy®). In fünf klinischen Phase-III-Studien mit über 6.000 Patienten wurden die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Dapoxetin untersucht [17-20].

Therapie mit Dapoxetin im Praxisalltag erfolgreich

Die Verträglichkeit der Therapie mit Dapoxetin im Behandlungsalltag wurde im Rahmen der nicht-interventionellen PAUSE-Studie (Premature Ejaculation – Actual Use Safety and Effectiveness Study) untersucht. Von 10.028 eingeschlossenen Patienten entschieden sich rund 67% der Teilnehmer für die Therapie mit Dapoxetin (30 mg, 60 mg). Rund 33% der Patienten zogen eine alternative Therapie (z.B. einen anderen SSRI (off-label), topische Therapien (off-label), Kondome und Sexualtherapie) vor. 69,2% der Patienten der Dapoxetin-Gruppe waren mit der Initialdosis von 30 mg zufrieden, da sie die Therapie auch nach dem Studienzeitraum von 12 Wochen mit 30 mg Dapoxetin fortsetzten. Bei 19% der Gruppe wurde die Dosis auf 60 mg Dapoxetin im Rahmen des Beobachtungszeitraumes von 12 Wochen erhöht (bei 2% von 60 mg auf 30 mg Dapoxetin reduziert). Im Rahmen der PAUSE-Studie fanden drei Follow-up-Termine statt. Diese ermöglichten das Feedbackgespräch mit dem Patienten und ggf. eine Therapieanpassung.
In dieser Gruppe wurde am häufigsten über Übelkeit (3,1%), Kopfschmerzen (2,6%) und Schwindel (1,0%) berichtet [21]. In den Zulassungsstudien wiesen diese Nebenwirkungen zum Teil andere Häufigkeiten auf, s.a. Fachinformation Dapoxetin [16].

*SEP – Sexual Encounter Profile
SEP 2 – Prozentsatz der Versuche, die zu erfolgreicher vaginaler Penetration führten
SEP 3 – Prozentsatz der Versuche, die zu erfolgreichem Geschlechtsverkehr führten
IIEF-EF – International Index of Erectile Function – Erectile Function domain (Internationaler Index der Erektilen Funktion - Domäne Erektile Funktion

Referenzen:
[1] Porst H et al. 2009. Eur Urol 51:816-823.
[2] Eardley I. 2013 Sex Med Rev. 1:3-16.
[3] Braun M et al. 2000. Int J Impot Res. 12:305-311.
[4] Hatzichristou D et al. 2010. J Sex Med. 7:337-348.
[5] Wespes E et al. 2013. EAU Guidelines 2013. www.uroweb.org/gls/pdf/14_Male%20Sexual%20Dysfunction_LR.pdf
[6] Jiann BP et al. 2006. Int J Impot Res. 18:146-149.
[7] Hatzimouratidis K, Hatzichristou DG. 2009. Curr Pharm Des. 15:3476-3485.
[8] Fisher WA et al. 2005. J Sex Med. 2:675-84.
[9] Hackett GI. 2002. Eur Urol. 1:4-11.
[10] Goldstein I et al. 2012. J Sexual Med. 2012a;9:1122-1133.
[11] Goldstein I et al. 2013. Presented at the 19th Annual Fall Scientific Meeting of SMSMA, Nov 21-24, 2013, New Orleans, LA, USA. Poster 125.
[12] Goldstein I et al.2012. Mayo Clin Proc. 2012b;87(9):843-852.
[13] Mulhall JP et al. 2013. J Urol. 189:2229-2236.
[14] Kedia GT et al. 2013. Ther Adv Urol 5:35-41.
[15] Wang R et al. 2012. J Sex Med. 9:2122-2129.
[16] McMahon CG et al. 2011. J Sex Med 8:524-539.
[17] Pryor J et al. 2006. Lancet 368:929-937.
[18] Buvat J et al. 2009. Eur Urol 55:957-967.
[19] Kaufman J et al. 2009. BJU Int 103:651-658.
[20] McMahon CG et al. 2010. J Sex Med 7:256-268.
[21] Mirone V et al. 2014. Eur Urol 65:733-739.

Quelle: Industrie-Symposium „Sexualmedizin im Praxialltag“ im Rahmen der 120. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Wiesbaden, 26. April 2014. Veranstalter: Berlin-Chemie AG.

Juni 2014

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