31. Deutscher Krebskongress 2014
Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms:
Die Chemotherapie mit Cabazitaxel als wichtiger Therapiebaustein muss rechtzeitig eingesetzt werden


Das metastasierte kastrationsresistente Prostatakarzinom (mCRPC) ist ein Chemotherapie-sensibler Tumor. Die Chemotherapie ist daher ein unverzichtbarer Therapiebaustein. Die längste Überlebenszeit erreichen Patienten, die im Rahmen ihrer Behandlung alle verfügbaren Therapieoptionen, inkl. Chemotherapie erhalten. Dies muss bei der individuellen Therapieplanung für jeden Patienten berücksichtigt werden, erläuterte Dr. med. Burkhard Otremba, niedergelassener Hämatologe/Onkologe und erster Vorsitzender des Tumorzentrums Weser-Ems. Im klinischen Alltag stehen die behandelnden Ärzte vor der Herausforderung, nach Versagen der Androgendeprivationstherapie (ADT) die optimale Therapiesequenz aus Chemotherapie und Androgenrezeptor(AR)-gerichteter Substanzen für den einzelnen Patienten zu finden. Diese ist Voraussetzung für einen maximalen Überlebensvorteil bei bestmöglicher Lebensqualität, betonte Otremba. Da das Prostatakarzinom eine klonal heterogene Erkrankung ist [1], sprechen einige Tumore sehr gut auf anti-hormonelle Substanzen an und andere nicht. Diese benötigen primär eine Chemotherapie.

Primäre Chemotherapie bei Schmerzsymptomatik und PSA >114 ng/ml

Erste Hinweise für den frühzeitigen Einsatz der Chemotherapie nach ADT-Versagen sind laut Otremba tumorbedingte Beschwerden, speziell ein erhöhter Schmerzscore (BPI-SF>1), ein PSA-Wert >114ng/ml sowie ein nur kurzes Ansprechen auf die vorangegangene primäre ADT (1-2 Jahre) [2,3]. Klinisch haben diese Patienten häufig eine hohe Tumorlast mit viszeraler Metastasierung, eine aggressive Tumorbiologie mit kurzer PSA-Verdopplungszeit sowie ein wenig differenziertes Karzinom mit hohem Gleason-Score (>8). Diese Patienten sprechen häufig nicht oder nicht adäquat auf die AR-gerichteten Substanzen an und sollten nach Versagen der primären ADT auf die Chemotherapie mit Docetaxel umgestellt werden. Nach Docetaxel-Versagen hat die geschlossene Taxan-Sequenz, also Weiterbehandlung mit Cabazitaxel in der Regel prognostische Vorteile für die Patienten gegenüber der Weiterbehandlung mit einer AR-gerichteten Therapie. Zahlreiche retrospektive Untersuchungen zeigen einen deutlichen Überlebensvorteil für die Patienten. In einer US-amerikanischen Untersuchung bei 113 Patienten mit mCRPC betrug der mediane Überlebensvorteil beispielsweise 6,4 Monate (18,2 vs. 11,8 Monate; HR 0,12) [4].

Überlebensvorteil durch Überwindung der Docetaxel-Resistenz

Cabazitaxel ist aufgrund seines Wirkmechanismus in der Lage eine Docetaxel- Resistenz zu überwinden, weshalb die Substanz auch nach Docetaxel-Versagen, selbst bei Patienten, die nur vergleichsweise kurz auf Docetaxel angesprochen haben, eine gute Wirksamkeit hat. Dies zeigen u. a. die Ergebnisse der Zulassungsstudie TROPIC [5,6]. Hier erreichte Cabazitaxel bei mit Docetaxel vorbehandelten Patienten mit mCRPC einen statistisch signifikanten medianen Überlebensvorteil gegenüber der Behandlung mit Mitoxantron (HR 0,70; p<0,0001). Der Überlebensvorteil war auch nach zwei Jahren noch signifikant [7]. Umgekehrt liefen die Überlebenskurven in der Zulassungsstudie von Abirateron bei Patienten nach Docetaxel-Versagen sehr schnell wieder zusammen [8]. Dies, so Otremba, entspricht auch der eigenen Erfahrung. Cabazitaxel wirkt darüber hinaus unabhängig vom Differenzierungsgrad des Tumors und dem Testosteron-Ausgangswert [9]. Ein weiteres wichtiges Argument, die Chemotherapie nicht zu spät im Therapieverlauf einzusetzen, ist laut Otremba, dass die Patienten nach der Taxansequenz mit Docetaxel-Cabazitaxel deutlich häufiger eine Drittlinientherapie mit Abirateron oder Enzalutamid erhalten als wenn sie nach Docetaxel-Versagen mit einer AR-gerichteten Substanzen weiterbehandelt werden [10,11]. Viele Patienten sind danach für eine Chemotherapie mit Cabazitaxel nicht mehr geeignet, da ihr Allgemeinzustand zu schlecht ist, so dass ihnen die Therapieoption mit Cabazitaxel verloren geht. Die Chemotherapie ist keine ultima ratio, sondern sollte rechtzeitig in den Therapieplan eingebaut werden, resümierte Otremba. Grundsätzlich profitieren Patienten mit aggressiver Tumorbiologie, hoher Krankheitslast sowie nur kurzem Ansprechen auf die ADT, primär von einer Chemotherapie. Die Patienten sollten einen ausreichend guten Allgemeinzustand haben, eine adäquate Leber- und Nierenfunktion sowie eine ausreichende hämatopoetische Reserve. Auch ältere Patienten (>70 Jahre) können unter diesen Voraussetzungen ohne weiteres eine Chemotherapie erhalten.

Literatur:
[1] Tombal B, et al. EJC 2011, 47: 5179-188
[2] Dossier Abirateron (COU-AA-302). www.gba.de/informationen/nutzenbewertung/60/Module
[3] Y. Loriot, et al. 2012. J Clin Oncol 30(Suppl): Abstract 213)
[4] Sonpavde G, et al. ECC 2013, #412
[5] de Bono, et al. ASCO 2011, #4526
[6] Sartor AO, et al. ASCO 2011, #4525
[7] Bahl A, et al. Ann Oncol 2013, 24: 2402-2408
[8] Fizazi K, et al. 2012. Lancet Oncol 13:983-992
[9] Oudard S, et al. ASCO-GU 2013, #137
[10] Schnadig D, et al. ASCO-GU 2013, #79
[11] Malik Z, et al. ASCO 2012, #e15135.


Quelle: Sanofi GmbH

März 2014

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