DKK 2012
Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom:
Cabazitaxel im klinischen Alltag erfolgreich


Mit Cabazitaxel steht eine wichtige Therapieoption für Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom nach Docetaxel-Versagen zur Verfügung. Für die Substanz ist nicht nur ein signifikanter Überlebensvorteil belegt [1], Cabazitaxel ist in der klinischen Anwendung auch hinsichtlich der Nebenwirkungen gut zu handhaben, betonten Experten anlässlich des diesjährigen Deutschen Krebskongresses (DKK) in Berlin. Daten aus dem klinischen Alltag zeigen, dass sich das Wirksamkeitspotential von Cabazitaxel mit einem proaktiven Nebenwirkungsmanagement für die Patienten voll nutzen lässt, so dass die Patienten nicht nur länger, sondern auch unter Wahrung einer adäquaten Lebensqualität überleben.

"Wir haben in unserer Praxis mittlerweile elf Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) mit Cabazitaxel behandelt und gute Erfahrungen mit der Substanz gemacht", erläuterte Dr. med. Bernhard Heinrich, niedergelassener Onkologe aus Augsburg. Fast alle Patienten waren bereits intensiv vorbehandelt, hatten u.a. Docetaxel erhalten und waren mehrheitlich über 70 Jahre alt. Alle elf Patienten profitierten von der Behandlung mit Cabazitaxel. Weder das Alter, noch die intensive Vorbehandlung sprechen laut Heinrich gegen den Einsatz von Cabazitaxel. Ebenso wenig sieht Dr. Heinrich eine Kontraindikation gegen Cabazitaxel bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. "Wir haben alle unsere Patienten mit der vollen Cabazitaxel-Dosis plus Prämedikation behandelt." Eine sinnvolle prophylaktische Maßnahme ist laut Dr. Heinrich die Gabe von G-CSF bei Patienten mit zwei oder mehr Vortherapien. "Wir geben den Patienten fünf Injektionen im ersten Zyklus jeden zweiten Tag." Darüber hinaus empfiehlt Dr. Heinrich, den Patienten prophylaktisch ein Rezept für Loperamid und Ciprofloxacin mitzugeben, um rechtzeitig intervenieren zu können, falls es in seltenen Fällen zu Durchfall kommt.

Sichere Behandlung mit proaktivem Patienten-Management

"Mit diesem proaktiven Nebenwirkungsmanagement kommen unsere Patienten gut zurecht", betonte Dr. Heinrich. "Wir überblicken jetzt 61 Therapiezyklen und haben lediglich in zwei Zyklen eine febrile Neutropenie beobachtet; in beiden Fällen hatten die Patienten die G-CSF-Injektion vergessen." Insgesamt haben alle elf Patienten die Behandlung mit Cabazitaxel gut vertragen. Sechs der elf Patienten sind nach 3-10 Monaten Therapie noch am Leben, bei allen konnte ein PSA-Ansprechen unter Cabazitaxel beobachtet werden. Bei sieben Patienten kam es zu einer deutlichen Schmerzreduktion. Die eigenen Erfahrungen, so Dr. Heinrich, stimmen mit den Daten aus dem ‚Compassionate Use Programm' (CUP) überein, die letztes Jahr erstmals vorgestellt wurden [2]. Auch im Rahmen des CUP lag die Nebenwirkungsrate und speziell die Neutropenierate deutlich niedriger als in der Zulassungsstudie TROPIC [1]. "Wir haben gelernt, mit Cabazitaxel im klinischen Alltag umzugehen", betonte Dr. Heinrich. Dies sei wichtig, um den Patienten den vollen Nutzen der Behandlung zukommen zu lassen. Insbesondere Patienten, die ein schnelles Therapieansprechen benötigen sowie jene, die auf die Vortherapie mit Docetaxel gut angesprochen haben, profitieren von Cabazitaxel und sollten laut Dr. Heinrich mit Cabazitaxel behandelt werden.

TROPIC-Studie

Die TROPIC-Studie wurde in 146 Zentren in 26 Ländern weltweit (darunter auch Deutschland) durchgeführt. In die multizentrische, randomisierte Phase-3-Zulassungsstudie wurden 755 Patienten mit metastasiertem hormonrefraktärem Prostatakrebs eingeschlossen, deren Erkrankung trotz vorausgegangener docetaxelbasierter Chemotherapie fortgeschritten war. Primärer Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben. Die sekundären Endpunkte umfassten progressionsfreies Überleben, Tumoransprechrate, Tumorprogression, Ansprechen des prostataspezifischen Antigens (PSA), PSA-Progression, Schmerzansprechen und Schmerzprogression. Krankheitsprogression wurde in dieser Studie als Tumorprogression, PSA-Progression oder Schmerzprogression definiert. Als weitere sekundäre Endpunkte wurden die allgemeine Sicherheit von Cabazitaxel in Kombination mit Prednison, die Pharmakokinetik von Cabazitaxel und seiner Metaboliten in dieser Patientenpopulation sowie die Wirkung von Prednison auf die Pharmakokinetik von Cabazitaxel untersucht. Die Patienten erhielten in randomisierter Weise entweder Cabazitaxel plus Prednison/Prednisolon oder Mitoxantron plus Prednison/Prednisolon (378 bzw. 377 Patienten). Jedes Therapieregime wurde über maximal 10 Zyklen durchgeführt.

[1] de Bono et al., Lancet 2010, 376: 1147-54
[2] Heidenreich A et al., ECCO/ESMO 2011, # 7044


Quelle: Satelliten-Symposium "Moderne Chemotherapie des metastasierten Prostatakarzinoms - Anspruch und Realität" anläßlich des Deutschen Krebskongresses am 24.02.2012 in Berlin. Veranstalter: Sanofi-Aventis GmbH


März 2012

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