Benignes Prostatasyndrom – Experten ordnen Therapieoptionen ein
Aktualisierte Leitlinie zur Therapie des BPS vorgestellt: Tadalafil mit Empfehlungsgrad A


„In meinen Händen halte ich das gedruckte Ergebnis langer und harter Arbeit“, erklärte Prof. Dr. Klaus Höfner (Oberhausen) bei einer Veranstaltung im Rahmen des diesjährigen DGU-Kongresses in Düsseldorf und verwies auf ein sehr umfangreiches Druckerzeugnis.* Dabei handelte es sich um die durch den Arbeitskreis BPS der DGU und des BDU jüngst aktualisierte Leitlinie „Therapie des Benignen Prostatasyndroms (BPS)“. Eine der wesentlichen Neuerungen dieser Leitlinie: Die Wirkstoffgruppe der PDE5-Inhibitoren wurde als Therapieoption bei BPS aufgenommen [1]. „Mit dem Empfehlungsgrad A für die PDE5-Hemmer wurde ihrer Wirksamkeit, die durch eine umfangreiche Studienlage dokumentiert ist, Rechnung getragen“, so Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Oelke (Hannover) auf dem DGU-Kongress. Von allen in Deutschland verfügbaren PDE5-Inhibitoren ist nur Tadalafil (Cialis®) 5 mg täglich zur Therapie von Männern mit BPS zugelassen. In dieser Indikation wird Tadalafil 5 mg täglich seit Mitte dieses Jahres zudem durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erstattet [2].

Das benigne Prostatasyndrom (BPS) zählt zu den häufigsten Erkrankungen älterer Männer: Annähernd 40 Prozent der deutschen Männer zwischen 50 und 80 Jahren leiden an moderaten bis schweren Symptomen des unteren Harntraktes (LUTS) [3]. „Die Pathophysiologie der LUTS ist viel komplexer und multifaktorieller als lange Zeit angenommen worden ist“, verdeutlichte Dr. Oelke. Mittlerweile ist nachgewiesen, dass die Phosphodiesterase 5 (PDE5) auch im unteren Harntrakt und in der Prostata exprimiert wird [4]. Das sei eine der Rationalen für die Konstanztherapie mit Tadalafil 5 mg täglich bei BPS, erläuterte Dr. Oelke. Unter den PDE5-Hemmern hat nur Tadalafil eine mittlere Halbwertszeit von 17,5 Stunden, so dass bei einer täglichen Gabe ein konstanter Wirkspiegel im Blut aufgebaut wird [5]. Hierdurch kann eine Linderung der männlichen LUTS (bei BPS) mit der einmal täglichen Einnahme dieses PDE5-Inhibitors erreicht werden.

Hinweis** auf vergleichbare Wirkung von Tadalafil-Konstanztherapie und Tamsulosin bei BPS6

In den vier zulassungsrelevanten randomisierten, Placebo-kontrollierten Doppelblindstudien mit insgesamt rund 1.500 Patienten mit LUTS aufgrund eines BPS führte die Konstanztherapie mit Tadalafil 5 mg täglich in einem Zeitraum von zwölf Wochen zu einer signifikanten Reduktion des Internationalen Prostata Symptomenscores (IPSS) [6-9]. Eine signifikante Verbesserung des IPSS wurde bereits eine Woche nach Therapiebeginn dokumentiert [6, 9]. In einer großen Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie mit 1.058 Patienten senkte die tägliche Einnahme von Tadalafil 5 mg den IPSS um durchschnittlich 4,9 Punkte (Placebo: -2,3; p<0,001) [8]. Auch die einzelnen Scores für Blasenspeicher- und Entleerungssymptome verbesserten sich unter der Behandlung mit Tadalafil signifikant [8]. In der offenen Extensionsphase dieser Studie blieb die Wirkung bei den durchgehend mit Tadalafil 5 mg täglich behandelten BPS-Patienten (n=299) über den gesamten Beobachtungszeitraum von einem Jahr erhalten und war mit einer ebenfalls anhaltenden guten Verträglichkeit verbunden [10]. In einer der klinischen Studien wurde ein zusätzlicher aktiver Kontrollarm (keine direkte Head-to-Head-Studie) mit dem Alpha-Blocker Tamsulosin mitgeführt [6]. Die Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass die Tadalafil-Konstanztherapie eine vergleichbare Wirkung auf die Verbesserung des IPSS hat wie die Standardtherapie mit Tamsulosin 0,4 mg (Tadalafil: -6,3, p=0,001 vs. Placebo; Tamsulosin: -5,7, p=0,023 vs. Placebo). In Bezug auf die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten mit LUTS (aufgrund eines BPS) war Tadalafil 5 mg täglich gegenüber Placebo signifikant überlegen (p<0,05), während sich unter der Behandlung mit Tamsulosin gegenüber Placebo kein statistisch signifikanter Unterschied ausmachen ließ [6].

Tadalafil 5 mg täglich nun auch in nationaler BPS-Therapieleitlinie Empfohlen

Das gute Nutzen- und Verträglichkeitsprofil von Tadalafil 5 mg täglich spiegelt sich nicht nur in der Leitlinien-Empfehlung der European Association of Urology (EAU) wider [11], sondern auch in der aktualisierten BPS-Therapieleitlinie der DGU. Dort heißt es im Zusammenhang mit dem Empfehlungsgrad A: „PDE5-Inhibitoren verbessern die Symptomatik bei Männern mit moderaten und schweren Symptomen des unteren Harntraktes mit oder ohne erektile Dysfunktion" [1]1. Zudem wird dort – ebenfalls mit Empfehlungsgrad A – festgestellt, dass es für Tadalafil 5 mg täglich in einer Studie Hinweise dafür gibt, „dass nicht nur eine Verbesserung der subjektiven Parameter (IPSS), sondern auch der objektiven Parameter (Qmax)“ eintritt [1]1. Dr. med. Richard Berges (Köln) kommentierte: „Tadalafil ist eine nachweisbar wirksame und für den BPS-Patienten auch spürbar effektive Therapie bei guter Verträglichkeit. Die Leitlinienempfehlung ist daher nur die logische Konsequenz, denn Tadalafil stellt eine echte Behandlungsalternative dar und vergrößert unsere therapeutischen Möglichkeiten.“

Erstattung bei Diagnose BPS durch die GKV

Eine ebenfalls wichtige Neuerung hinsichtlich der BPS-Therapie mit Tadalafil 5 mg täglich ergab sich zudem im Juni dieses Jahres: Seitdem wird die Tadalafil-Konstanztherapie für Patienten mit BPS durch die GKV erstattet, wenn BPS der alleinige Verordnungsgrund ist. Dies hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in einem entsprechenden Beschluss vom 20.03.2014 festgestellt [2]. Zur Behandlung der erektilen Dysfunktion bleibt Tadalafil auch weiterhin eine Selbstzahlerleistung. Dr. Berges freute sich über diesen Beschluss: „Aus meiner Sicht verbessert sich durch diese Entscheidung die Behandlungssituation für Patienten mit BPS deutlich. Gesetzlich Versicherte können nun einfacher von dieser sinnvollen Therapieoption profitieren. Dies ist meines Erachtens der richtige Weg.“ Laut Dr. Oelke kommt die Konstanztherapie mit Tadalafil insbesondere für diejenigen BPS-Patienten in Betracht, die während der Behandlung mit einem Alpha-Blocker Nebenwirkungen wie Schwindel oder Ejakulationsstörungen haben.

Die Erstattung der Behandlung mit Tadalafil 5 mg täglich durch die GKV ist gegeben, wenn das BPS der Verordnungsgrund ist. Wichtig ist daher eine genaue Diagnosestellung, „weil ansonsten die Trennschärfe zu anderen Erkrankungen, wie etwa der nächtlichen Polyurie oder der überaktiven Blase, verloren gehen kann“, so Dr. Berges. Außerdem ist eine entsprechende Dokumentation unerlässlich, wie der Hamburger Fachanwalt für Medizinrecht Jörg Hohmann verdeutlicht: „Hierbei geht es jedoch nicht um umfangreiche Ausführungen, sondern um eine relativ knappe Darlegung des Geschehens. Beispielsweise können bei der Umstellung des Patienten auf ein anderes Medikament die Gründe stichwortartig genannt werden.“

* Akademie Forum „Leitlinien Up-Date II“ im Rahmen des DGU-Kongresses, Mittwoch, 1. Oktober 2014, Düsseldorf
** Keine direkte Vergleichsstudie, sondern jeweils Vergleich mit Placebo

Quellen:
[1] www.awmf.org
[2] www.g-ba.de
[3] Berges R et al. Eur Urol 2001; 39: 682-687.
[4] Ückert S et al. Eur Urol 2006; 49: 740-745.
[5] Cialis® Fachinformation, März 2013.
[6] Oelke M et al. Eur Urol 2012; 61: 917-925.
[7] Egerdie RB et al. J Sex Med 2012; 9: 271-281.
[8] Roehrborn CG et al. J Urol 2008; 180: 1228-1234.
[9] Porst H et al. Eur Urol 2011; 60: 1105-1113.
[10] Donatucci CF et al. BJU Int 2011; 107: 1110-1116.
[11] Oelke M et al. Eur Urol 2013; 64: 118-140.

Quelle: Lilly Deutschland GmbH



Dezember 2014

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