Männlicher Hypogonadismus: Vorzeitiger Testosteron-Stopp – besser nicht

Ohne langfristige Adhärenz „verspielen“ hypogonadale Patienten die positiven Auswirkungen eines Testosteronausgleichs und riskieren, dass sich die gebesserten Parameter des metabolischen Syndroms erneut verschlechtern. Dieser unerwünschte Effekt kehrt sich bei Wiederaufnahme der Testosterontherapie jedoch wieder um.

Die langfristigen Vorteile einer Testosterongabe bei einem vorliegenden Hypogonadismus sind in Bezug auf Testosteronmangel-bedingte physische und psychische Beschwerden gut belegt. Unter der Therapie bessern sich auch gestörte Stoffwechsel-Parameter, wie Prof. Aksam Yassin aus Doha beim 4th ICMH World Summit on Men´s Health in Budapest erläuterte. Bei einem vorzeitigen Abbruch der Testosteronbehandlung kehren sich die Therapie-assoziierten positiven Effekte allerdings um.

Testosteronausgleich verbessert sukzessive gesundheitliche Parameter

Der Urologe belegte dies anhand von Ergebnissen aus einer prospektiven Registerstudie mit 262 hypogonadalen Patienten: Unter fünfjähriger Testosterongabe nahmen alle Teilnehmer sukzessive an Körpergewicht ab, alle Parameter des metabolischen Syndroms (Bauchumfang, Blutdruck, Lipid- und Glukosestoffwechsel-Parameter) besserten sich progressiv [1].

Unter der kontinuierlichen Testosterongabe wurden zudem die Symptome einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) positiv beeinflusst, das Restharnvolumen verringerte sich [2]. Die erektile Funktion in der Subdomäne des International Index of Erectile Function (IIEF-EF) zeigte eine deutliche Verbesse-rung, ebenso die mittels AMS-Fragebogen (The Aging Males‘ Symptoms Rating Scale) erfassten Beschwerden.

Vorzeitiger Stopp der Testosterongabe lässt Beschwerden wieder aufflammen

Diese gesundheitlichen Vorteile, die sich über weitere Jahre kontinuierlich fortsetzen, riskieren Patienten jedoch möglicherweise durch einen vorzeitigen Therapiestopp. Bei „Therapieabbrechern“ aus der Studie verschlechterten sich nach und nach fast alle Parameter wieder: Die Testosteronwerte fielen innerhalb der ca. 17 Monate andauernden Therapiepause wieder in den hypogonadalen Bereich, anthropometrische und metabolische Werte entwickelten sich ungünstig, erektile, urinäre und prostatische Probleme nahmen graduell erneut zu [2,3]. Hauptgrund für das Aussetzen der Hormontherapie war bei 140 Patienten die fehlende Kostenerstattung, sieben Patienten hatten ein Prostatakarzinom entwickelt.

Wiederaufnahme der Therapie kehrt Negativ-Effekt um

Die negativen Effekte wurden bei Wiederaufnahme der Testosteronbehandlung gestoppt und kehrten sich im Verlauf von rund 14 Monaten um: Der Bauchumfang nahm wieder ab, der erhöhte systolische Blutdruck sank, die glykämische Kontrolle (Nüchternblutzucker und HbA1c) und der Lipidstoffwechsel (Triglyceride und Cholesterin) besserten sich erneut (alle signifikant p<0,0001) [2,3]. Anders als bei den therapietreuen Patienten (n=115) kam es bei den „Therapieabbrechern“ (n=147) während der Thera-piepause zu sechs kardiovaskulären Zwischenfällen, in vier Fällen zum akuten Harnverhalt [2].

„Aus meiner Sicht ist deshalb beim symptomatischen Testosterondefizit eine lebenslange Testosterontherapie notwendig, wenn durch Diät, Sport und adäquate Behandlung von Komorbiditäten keine Normalisierung des Testosteronspiegels zu erzielen ist“, so das Fazit des Referenten.

In der Praxis empfiehlt sich zu Beginn der Behandlung leitliniengerecht [4] der Einsatz von kurzwirksamen Formen wie Gelen (etwa Testogel® Dosiergel), die ein kurzfristiges Absetzen ermöglichen. Wird die Therapie gut vertragen und ist der Patient damit zufrieden, kann sie problemlos mit dieser Applikationsform fortgeführt werden.

PCa-Risiko unter Testosterontherapie nicht erhöht

Befürchtungen, wonach der Ausgleich eines Testosteronmangels das Risiko für Prostatakarzinome (PCa) erhöhen könnte, sind für Professor Ulrich Wetterauer aus Basel nicht begründet. Er verwies in seinem Vortrag unter anderem auf die Ergebnisse einer Metaanalyse von 22 klinischen Studien [5] und einer großen US-amerikanischen Beobachtungsstudie [6].

Im Rahmen der Metaanalyse wurden Daten von 2.351 hypogonadalen Männern, die eine bis zu 36 Monate andauernde Testosterontherapie erhalten hatten, ausgewertet. Es gab unabhängig von der Applikationsart (transdermal, intramuskulär, oral) keinen Hinweis dafür, dass durch eine Testosterongabe die Entstehung von PCa oder deren Progression gefördert wurde [5]. In der Beobachtungsstudie wurden von 147.593 Armeeveteranen mit niedrigen Testosteronspiegeln (zwischen 6,2 und 7,5 nmol/l) über neun Jahre die Testosteron- und PSA-Werte erfasst, 58.617 hatten über unterschiedliche Zeiträume eine Testosterontherapie erhalten. Es zeigte sich, dass weder das Risiko für PCa generell, noch das Risiko aggressiver PCa bei den mit Testosteron behandelten Män-nern erhöht war. Es bestand sogar ein Trend zur Reduktion des PCa-Risikos bei jenen Männern, die die höchste kumulative Testosterondosis erhielten und damit auch die längste Therapiedauer hatten [6].

Quelle: 4th ICMH World Summit on Men´s Health, Budapest 27.-28.9.2019. Veranstalter: Postgraduate International School of Men's Health (PRISM)

Literatur:
[1] Yassin DJ, et al. J Sex Med. 2014; 11(6):1567-76
[2] Yassin A, et al. The Aging Male 2015; 19(1): 64-69
[3] Yassin A, et al. Clin Endocrinol. 2016; 84(1):107-14
[4] Dohle GR, et al. https://uroweb.org/male-hypogonadism . Letzter Zugriff: 28.10.2019
[5] Cui Y, et al. Prostate Cancer Prostatic Dis. 2014; 17(2):132-43
[6] Walsh TJ, et al. PLoS One. 2018; 13(6):e0199194



20. November 2019

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