Prostatakrebs
Rolle für Vitamin D bei der Tumorprogression?


Potenzielle antikanzeröse Effekte von zirkulierendem 25-Hydroxyvitamin D [25(OH)D] werden über die Aktivierung des Vitamin-D-Rezeptors (VDR) vermittelt. Diesbezüglich werden die Stimulierung von Zelldifferenzierung und Apoptose sowie die Inhibierung der Zellproliferation der Angiogenese wie auch der Tumorzellinvasion diskutiert. Diesbezügliche Untersuchungen bei Prostatakrebs erbrachten kein eindeutiges Ergebnis. Demzufolge wurde untersucht, ob die VDR-Expression für die Progression von Prostatakrebs eine Rolle spielen könnte.

Bei 841 Prostatakrebs-Patienten aus zwei prospektiven Kohorten – der Physicians´ Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study – wurde im Tumorgewebe die Expressionsrate von VDR bestimmt.

Teilnehmer, deren Tumor eine hohe VDR-Expression aufweist, hatten bei der Diagnosestellung vergleichsweise signifikant niedrigere PSA-Spiegel, einen geringeren Gleason Score, ein weniger fortgeschrittenes Tumorstadium, und sie wiesen häufiger Tumoren mit dem Fusionsgen TMPRSS2:ERG auf. Patienten mit einer VDR-Expression in der obersten Quartile hatten im Vergleich mit jenen in der untersten Quartile ein signifikant geringeres Risiko für letalen Prostatakrebs. Die Inzidenzrate der letalen Krankheit betrug insgesamt 7,7 pro 1.000 Personenjahre und reduzierte sich bei hoher Expression der VDR auf 3,1 pro 1 000 Personenjahre. Diese Risikoreduktion war auf eine VDR-Expression in der höchsten Quartile beschränkt.

Zwei Funktionsvarianten des VDR, Fokl und BsmI, standen nicht im Zusammenhang mit der VDR-Expression. Andererseits traten bei Patienten mit dem BmsI BB-Genotyp und hoher VDR-Expression keine Todesfälle auf, während das Risiko für letalen Prostatakrebs bei dem BB-Genotyp und niedriger VDR-Expression 2,6-fach erhöht war. Mit Fokl bestand keine derartige Assoziation.

Bei einer hohen Expressionsrate der Vitamin-D-Rezeptoren im Tumorgewebe von Prostatakrebs-Patienten besteht ein verringertes krebsspezifisches Letalitätsrisiko.

Die Autoren leiten daraus eine Rolle für Vitamin D bei der Progression von Prostatakrebs ab.

Hendrickson WK, Flavin R, Kasperzyk JL, et al. 2011. Vitamin D receptor expression in tumor tissue and prostate cancer progression. J Clin Oncol 29:2378-2385.

Juni 2011 red.drucken
fusszeile

 
       © 2003-2017 pro-anima medizin medien  –   impressum   –  mediadaten  –   konzeption