Erhöhtes Risiko für „high grade“-Prostatakrebs bei infertilen Männern

Auf den Vaterschaftsstatus als Risikofaktor für Prostatakrebs war aus zum Teil allerdings widersprüchlichen epidemiologischen Befunden bereits früher geschlossen worden. Aktuell wurde die Thematik mithilfe der Daten einer großen Kohorte von männlichen Patienten aus Infertilitätszentren und dem Abgleich mit Krebsregistern erneut untersucht.

In der 19 106 Männer umfassenden Studienkohorte aus kalifornischen Infertilitätszentren wurde in 4.548 Fällen (24%) männliche Infertilität diagnostiziert. Bei 14.557 Männern wurde keine „male factor“ Infertilität nachgewiesen. In der Folge entwickelte sich bei 168 der Gesamtteilnehmer Prostatakrebs. Das Risiko für Prostatakrebs war in der Studienkohorte damit nicht höher als in der allgemeinen männlichen Bevölkerung (Standardisiertes Inzidenzverhältnis [SIV] 0,9; 95%CI 0,8–1,1). Deutlich erhöht war indes das Risiko von infertilen Männern ein „high grade“-Prostatakarzinom zu entwickeln (SIV 2,0; 95%CI 1,2–3,0). Aus multivariaten Analysen geht hervor, dass infertile Männer mit ca. 2,6-mal höherer Wahrscheinlichkeit „high grade“-Prostatakrebs entwickeln als Männer ohne „male factor“-Infertilität.

Der aktuelle Befund steht im Einklang mit Ergebnissen von Jorgensen et al. (Cancer 2008, 112:919), wonach mehrfache Vaterschaft im Zusammenhang mit einem verminderten Prostatakrebsrisiko steht.

Bei infertilen Männern wurde ein erhöhtes Risiko ermittelt, im späteren Leben an „high grade“-Prostatakrebs zu erkranken.

Damit könnte Infertilität – sofern sich der Befund bestätigt – als früh erkennbarer Risikofaktor für die Entwicklung eines hochmalignen Prostatakarzinoms fungieren.

Walsh TJ, Schembri M, Turek PJ, et al. 2010. Increased risk of high grade prostate cancer among infertile men. Cancer 116:2140-2147.

September 2010 red.drucken
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