Abnahme der roten Blutkörperchen unter einer Androgendeprivationstherapie

Die Androgendeprivationstherapie (ADT) wird heute bei metastasiertem und nicht metastasiertem Prostatakrebs eingesetzt. Dabei ist mit Nebeneffekten wie Hämoglobinverlust und unvorteilhaften Veränderungen der Körperzusammensetzung zu rechnen. Aufgrund ihrer Rolle bei der Hämatopoiese wurde aktuell die Aktivität der Wachstumshormon (GH)/Insu­lin-ähnlicher Wachstumsfaktor-1 (IGF-1)-Achse unter einer ADT untersucht.

Blut von 83 Patienten mit lokalem oder lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs wurde zu Beginn und nach sechs Monaten einer ADT analysiert. Die Männer erhielten den GnRH-Agonisten Goserelin-Acetat sowie perorales nicht-steroidales Flutamid oder Bicalutamid.

Die Behandlung mit Flutamid wurde von 28 Patienten wegen erhöhter Serum-Transaminasen (24) oder Diarrhoe (4) vorzeitig abgebrochen. Nach sechsmonatiger ADT war der IGF-1-Spiegel im Mittel von 18±5 nmol/l auf 21±6 nmol/l angestiegen (p<0,001). Dieser Anstieg erfolgte, ohne dass parallel eine Veränderung der GH-Konzentration im Serum beobachtet wurde (1,5± 2,3 µg/l vs. 0,9±0,9 µg/l; p=0,691). Die IGF-1-Bestimmungen ergaben bei Patienten, die eine antiandrogene Therapie fortsetzten, einen deutlichen Anstieg des IGF-1-Spiegels, während der IGF-1-Anstieg bei jenen, die Flutamid abgesetzt hatten, nicht signifikant ausfiel. Die Konzentrationen an Erythropoietin und Interleukin-6 veränderten sich unter der ADT nicht.

Vor Beginn der ADT – nicht aber nach sechsmonatiger Therapie – korrelierte der IGF-1-Spiegel mit der Erythrozytenzahl, der Hämoglobin-Konzentration und dem korpuskulären Volumen. Während der ADT sank die Hämoglobin-Konzentration und die Erythrozytenzahl nahm ab.

Bei Männern mit Prostatakrebs sanken unter einer ADT die Erythrozytenzahl und die Hämoglobin­Konzentration, obwohl der IGF-1-Spiegel angestiegen war.

Die Suppression der Hämatopoiese unter einer ADT lässt sich offenbar nicht allein auf die fehlende Stimulation via Testosteron-aktivierte Androgenrezeptoren zurückführen, sondern hat auch Ursachen in einer entkoppelten GH/IGF-1-Achse. Ferner ist zu schließen, dass im Knochenmark IGF-1 und/oder sein Rezeptor nicht funktionstüchtig sind.

Hara N, Nishiyama T, Takizawa I, et al. 2010. Decline of red cell count in patients receiving androgen deprivation therapy for localized prostate cancer: impact of ADT on insulin-like growth factor-1 and erythropoiesis. Urology 75:1441-1445.

Dezember 2010 red.drucken
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